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| 14:59 Uhr

Jubiläum
Design-Dickkopf Luigi Colani wird heute 90 Jahre alt

Der geniale Designer hat auch Spuren in der Lausitz hinterlassen: Luigi Colani.
Der geniale Designer hat auch Spuren in der Lausitz hinterlassen: Luigi Colani. FOTO: dpa / Uli Deck
Karlsruhe. (dpa(ik) Da sitzt er in der Sonne, wirkt zart. Vor ihm steht eine Tasse Kaffee, die Zigarre zündet er sich fast trotzig an. Er, der Mann mit dem einst rabenschwarzen Schnauzer und legendär hitzigen Temperament, sitzt auf der Terrasse eines Karlsruher Hotels und sieht still und zerbrechlich aus.

Der Rollstuhl ist diskret an einen anderen Tisch nach hinten geschoben, als gehöre er nicht zu ihm. Luigi Colani, einstiger Star-Designer, Starrkopf, Großsprecher, motziger Revoluzzer, genialer Egomane, feiert heute seinen 90. Geburtstag. Ohne großen Bahnhof, ohne Leute, die Reden halten, ohne Party. Nur mit Frau und einem Schweizer Freund.

Colanis Name hat heute noch großen Klang. Er war Vorbild für Generationen junger Designer, und auch sonst kennen ihn viele. Am ehesten dämmern im Gedächtnis seine spektakulären, futuristischen Entwürfe herauf von Autos und Rennwagen mit geschwungenen Kotflügeln wie lässig nach hinten geworfenes Haar; von Riesenflugzeugen mit gebogenem Rundbug und Lastwagen mit delfinähnlichem Führerhaus.

Der Universaldesigner hat aber auch Möbel entworfen, Geschirr, Brillen, Kameras, Fernseher, Kleidung, Klos, Küchen. Auch in der Lausitz hinterließ er seine Spuren, entwarf zum Beispiel Dreh-Gläser für die Glashütte Döbern, was sie aber letztlich nicht rettete. Was seine Entwürfe eint, sind die runden, organischen Formen. Ecken und Kanten sind ihm verhasst, immer schon und heute noch. „Meine Welt ist rund“, sagt er.

Die ergonomisch geformte Spiegelreflexkamera Canon T90 nennt er sein vielleicht bestes Produkt. „Ich habe die Kamerawelt re-vo-lu-tio-niert“, ruft er aus, mit Betonung auf jeder Silbe. Für namhafte Möbelhersteller entwarf er Stühle und Tische; seine Brillen verkauften sich bestens. „Ich bin ein erfolgreiches Schwein und habe riesige Chancen gehabt“, sagt er. Seine Entwürfe sind meist extravagant, mit großer Geste gezeichnet, mitunter genial, nicht immer praxistauglich. Er hat sich gerne als Enfant terrible inszeniert. Heute klingt sein Zorn erschöpft.

(dpa)