Das Erste, was Kommissarin Viola Delbrück (gespielt von Yvonne Catterfeld) auf ihrem Weg in die neue Heimat Görlitz von der Lausitz sieht, ist ein Wolf. Plötzlich steht er auf dem Feld, schaut minutenlang zu ihr. Auge in Auge, dann trottet der Wolf davon, Kommissarin Delbrück steigt wieder in ihren Wagen.

So nah kommen Lausitzer dem Wolf trotz dessen Ausbreitung in der Region nie. Auch die Schauspieler wären es wohl nicht, gäbe es nicht Miguel de la Torre (46). Der Naturwissenschaftler und Tiertrainer hat als Einziger in Deutschland die Genehmigung, mit seinen Tieren bei Filmproduktionen zu arbeiten. Wenn Wölfe im Fernsehen auftauchen, so wie jüngst im Jubiläums-Tatort, dann sind es seine Tiere.

Im neuen Krimi aus Görlitz haben sie es sogar in den Filmtitel geschafft. Und sie tauchen immer wieder in den beiden Folgen auf, die ab heute in der ARD zu sehen sind. Görlitz soll in den Filmen schließlich mehr sein als nur pittoreske Filmkulisse. "Diesmal kann Görlitz als lebendige Kommune sich erstmals selbst spielen", sagt Jana Brandt, beim MDR Hauptredaktionsleiterin für Fernsehfilm, Serie und Kinder. Und weil die Lausitz eben "Wolfsland" ist, darf auch der Wolf nicht fehlen.

"Lobine ist ein echter Wolf", erklärt Miguel de la Torre. Sie sei ein klassisches Tier, grau-braun. Nur in einigen Szenen sei ein Wolfshund zum Einsatz gekommen. "Die Zusammenarbeit mit den Schauspielern war sehr einfach", sagt der Tiertrainer. "Yvonne Catterfeld hat ein sehr gutes Verhältnis zu den Tieren, war sehr an ihnen interessiert. Das macht das Drehen sehr leicht."

Dennoch braucht es viel Training und eine gute Vorbereitung, um die scheuen Tiere für den Dreh mit dem Menschen vor die Kamera zu bekommen. Bevor es losgeht, geht Miguel de la Torre zunächst einmal mit den Tieren und dem Team spazieren. Dann bekommen die Wölfe von den Schauspielern und dem Kameramann etwas zu fressen. "So merken sie, dass das positive Menschen sind", erklärt Miguel de la Torre. Vier Tage war er in Görlitz, um für Wolfsland mit dem Team zu arbeiten. "Eine sehr positive Erfahrung, was vielleicht auch an der Gegend lag", sagt er.

Brandenburg und Sachsen sind für ihn und seine Tiere immer wieder Arbeitsort. "Hier wird viel gedreht. Gerade sind wir auf dem Sprung nach Beeskow", berichtet der Trainer. Dort wird für einen Spielfilm gedreht. Diesmal soll der Wolf sich an eine Ziege anpirschen. Dann wird er per Pfeil und Bogen erlegt, natürlich nicht wirklich.

"Wölfe können ein breites Spektrum an Emotionen und Themen darstellen", sagt Miguel de la Torre. "Es sind sehr soziale Tiere." Als reine Bösewichter hat er sie in den Filmproduktionen, die er seit acht Jahren betreut, noch nicht gesehen. "Mit Wölfen zu drehen ist teuer und nicht einfach", erklärt der Trainer. Wer das einsetze, sollte auch die Bandbreite nutzen, die sich ihm damit bietet. Das Interesse wächst jedenfalls, vielleicht auch, weil der Wolf in Deutschland immer verbreiteter wird.

Zehn Tiere leben auf dem Gelände der Firma "Filmwolf" in Hannover, schwarze, weiße und klassisch graue Tiere. Vom reinrassigen Wolf bis zum Wolfshund ist alles dabei. Ursprungsheimat der Tiere sind die USA, wo ihre Vorfahren in Fellfarmen gehalten wurden. Seit 15 Jahren lebt Miguel de la Torre mit den Wölfen. Es gehe darum, auch in der Zucht darauf zu achten, keine aggressiven Tiere zu entwickeln. Schließlich soll der Filmdreh für Menschen wie Tier ungefährlich sein.

Auch für "Wolfsland" könnte es eine Fortsetzung geben. Der erste Teil "Ewig Dein" läuft Donnerstag um 20.15 Uhr in der ARD, der zweite "Tief im Wald" am 15. Dezember. Ob die Filme danach zu einer Krimireihe ausgebaut werden, sei noch nicht entschieden, heißt es beim MDR. Bei entsprechendem Quotenerfolg könnten Miguel de la Torre und seine Tiere aber vielleicht bald wieder mal nach Görlitz reisen.