ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 12:44 Uhr

Berlin-Brandenburg
Linke: Medienschaffende müssen fair bezahlt werden

Potsdam. Nicht wenige Drehbuchatoren, Kostümbildner, Regisseure, Kameraleute oder Cutter müssen ihr Einkommen mit Hartz IV aufstocken. Von Benjamin Lassiwe

Die junge Regisseurin hatte ihren ersten Film auf der Berlinale. Und stand vor einem Problem: Wie sollte sie sich die angemessene Kleidung für das Filmfestival kaufen? Und wovon den Kühlschrank füllen? In früheren Jahren hatte sie auf dem Festival gejobbt, doch als Wettbewerbsteilnehmerin war das nicht mehr möglich. Antje Helm, die medienpolitische Sprecherin der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus, berichtete am Dienstag von dieser Erfahrung aus ihrem Bekanntenkreis. Die Abgeordnete arbeitet als Synchronsprecherin, ist die deutsche Stimme von Jeanette McCurdy und spricht regelmäßig diverse andere amerikanische Film- und Serienschauspielerinnen.

Zusammen mit ihrem Kollegen Volkmar Schöneburg von den Brandenburger Linken stellte Helm am Dienstag eine Studie vor, die sich mit der sozialen Situation der Beschäftigten in der Medienbranche in Berlin und Brandenburg beschäftigte. Die Ergebnisse waren ambivalent: Denn das durchschnittliche Jahreseinkommen der Filmschaffenden in Berlin und Brandenburg ist mit 38 996 Euro bundesweit am zweithöchsten. Und nur 22 Prozent der Befragten gaben an, mit ihren Lebensbedingungen im Moment überwiegend oder sehr unzufrieden zu sein. Doch gleichzeitig erklärten 68 Prozent der Befragten, neben den Einnahmen aus dem Medienbereich weitere Einnahmequellen zu benötigen – ohne dass freilich gesagt wurde, welche beruflichen Tätigkeiten das sind. Und immerhin 14 Prozent der 1215 befragten Drehbuchatoren, Kostümbildner, Reggisseure, Kameraleute oder Cutter erklärten, ihr Einkommen zumindest teilweise mit Hartz IV aufstocken zu müssen.
 „Die Arbeitsbedingungen sind durch prekäre Verhältnisse, fehlende soziale Absicherung und drohende Altersarmut gekennzeichnet“, sagte der medienpolitische Sprecher der Brandenburger Linken, Volkmar Schöneburg. Für die Linken ergaben sich deswegen klare Forderungen aus der Studie: „Insbesondere öffentlich-rechtliche Rundfunksender, aber auch staatliche Förderinstitutionen sollen nur Produktionen fördern, die nach Rahmentarifvertrag bezahlen“, sagte Schöneburg. Zudem sollte die Politik die Künstlersozialkasse stärken. „Es ist unser Anspruch, dass die Selbstausbeutung der Beschäftigten so weit geht, dass nicht unterhalb der sozialen Standards gezahlt wird.“