| 13:01 Uhr

Interview mit Pippo Pollina
„Träume bewahren in zynischer Zeit“

Pippo Pollina hat als Straßenmusikant begonnen und füllt heute Säle. Foto: VelocitySounds Rec... ..
Pippo Pollina hat als Straßenmusikant begonnen und füllt heute Säle. Foto: VelocitySounds Rec... .. FOTO: VelocitySounds Rec.
Einer der bekanntesten italienischen Liedermacher im deutschsprachigen Raum kommt nach Cottbus. Ida Kretzschmar

Pippo Pollina gilt im deutschsprachigen Raum als einer der bekanntesten italienischen Liedermacher. In den 80ern war er sehr engagiert in der noch jungen Antimafiabewegung. Seit drei Jahrzehnten ist er mit seinen Programmen unterwegs und füllt nicht nur die Kleinkunstbühnen, sondern auch die großen Häuser – von der Arena in Verona bis hin zum Hallenstadion in seiner Wahlheimat Zürich. Am 19. April ist er erstmals live in der Cottbuser Chemiefabrik zu erleben.

Pippo Pollina, Sie stammen aus Palermo. Wird man da automatisch mit der Mafia in Verbindung gebracht, darauf angesprochen?

Pollina So ist es. Jeder verbindet die Cosa Nostra mit Westsizilien und Palermo.

Wird der Kampf dagegen heute noch ernst genug genommen oder drängen eher andere Probleme nach vorn?

Pollina Es ist nach wie vor noch ein ganz großes Problem für die Stadt und Sizilien. Aber ich glaube, die Mafia ist nicht mehr ganz so gefährlich wie vor 25 oder 30 Jahren, weil die Existenz von Cosa Nostra auch an eine bestimmte politische Situation gebunden war, die sich verändert hat. So hat die Mafia in Italien auch an politischem Gewicht verloren. So ist sie heute meiner Ansicht nach mehr als kriminelles Phänomen zu betrachten.

Sie waren in den  80er-Jahren ganz vorn in der noch jungen Antimafiabewegung. Beschäftigen Sie sich noch damit?

Pollina Nach wie vor. Obwohl ich nicht mehr dort lebe, versuche  ich, mich  gut zu informieren über die soziale Realität in Süditalien. Cosa Nostra hat zwar viel mit der Situation im Land zu tun, aber die Mafiastrukturen sind natürlich ein weltweites Problem. Es ist nur ein Ausdruck, um eine gewisse Kriminalität zu beschreiben.

Sie setzten sich damit auch in Liedern auseinander.

Pollina Ich bin ein Künstler, ein Liedermacher, der manchmal auch in seinen Liedern diese Realität beschrieben hat, weil ich ja auch eine Vergangenheit als Journalist habe.

Warum haben Sie Sizilien verlassen?

Pollina Italien befand sich Mitte der 80er-Jahre in einer politischen Blockade, aus der ich entrinnen wollte. Im Herbst 1985, damals war ich gerade zwanzig Jahre alt, habe ich meine Heimatstadt Palermo verlassen, weil mir das Leben in Sizilien unerträglich geworden war. Ich war damals in der noch jungen Antimafiabewegung engagiert, doch der Mord an Giuseppe Fava bewog mich, die Insel zu verlassen. Ich sehnte mich danach, die Welt zu bereisen, neue Kulturen kennenzulernen. So machte ich drei Jahre lang eine Weltreise. Als Straßenmusiker habe ich die Freiheit genossen. 1988 bin ich in der Schweiz steckengeblieben. Ich wollte eigentlich nie wieder zurückkehren nach Italien. Inzwischen bin ich doch öfter dort zu Besuch.

Wie passt dieses dunkle Kapitel zur lichten Poesie?

Pollina Je nachdem wie man es nennt: Man kann meine Lieder kämpferische Poesie nennen oder lyrische Balladen. Aber es war ja nie mein einziges Thema, eines von vielen anderen. Natürlich hat es mich charakterisiert, weil ich als Sizilianer besonders sensibel für dieses Thema war. Aber ich singe mit großer Leidenschaft über vieles mehr, denn ich liebe das Leben. Es geht um Engagement, Haltung, Treue, Hoffnung und darum, das Träumen auch in einer zynischen Zeit nicht zu verlernen.

Nach 22 Alben sind Sie wieder mit Soloprogrammen unterwegs. Was zieht Sie auf die Bühne?

Pollina Die Lust am Musizieren. Ein Musiker muss sich musikalisch ausdrücken, das war immer mein Alltag. Und das ist all die Jahre so geblieben. Fast jedes Jahr gehe ich auf Tour.

Aber in Cottbus waren Sie noch nie.

Pollina Ich kenne mich in Deutschland eigentlich gut aus, in Ostdeutschland aber war ich noch nie. Ich weiß, dass Cottbus nahe der polnischen Grenze liegt, und ansonsten lasse ich mich gern überraschen.

Und womit werden Sie uns überraschen?

Pollina Ich werde italienische Lieder singen und ein bisschen Wind aus dem Süden mitbringen. Ich werde auch aus meinem Buch  „Verse für die Freiheit – Mein Leben, meine Lieder“ lesen, das Stationen meines künstlerischen Lebens beschreibt. Zwischen den Geschichten gibt es immer wieder Musik. Ich spiele Gitarre und Piano. Auch ein Tamburello wird dabei sein.

Mit Pippo Pollina
sprach Ida Kretzschmar

Poesie, Politik und dunkle Schokolade mit Pippo Pollina: 19. April Chemiefabrik Cottbus, Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr. Tickets erhältlich im LAUTIX Ticketshop Cottbus, unter Ticket-Hotline 0355 481 555 sowie bei allen RUNDSCHAU-Servicepartnern und bekannten VVK Stellen.Tickets im Vorverkauf unter Telefon 0355 355 49 94 oder bei der RUNDSCHAU unter Telelefon 0355 481 555.