„Ich mach ein Lied aus Stille“ hatte Eva Strittmatter ihren ersten, 1973 erschienenen, Gedichtband überschrieben. Und dabei ist sie geblieben. Wer der Poesie ihrer Worte folgen will, muss sich einlassen auf diese Stille, die an die Urgründe unserer Existenz rührt. Und so finden wir „von Blühen zu Blühen“ so manches auf sandigem Wege am „Felderraine“ , was die Seele aufschließt. Um zu ergründen, was wir sind - und vielleicht sein wollten. Zurückzufinden zu uns selbst als Teil des ewigen Universums zwischen Werden und Vergehen. Ein Teil der Natur.
Diese Stimmung nehmen die Landschaftsbilder Gerhart Lampas auf, in denen es sich sanft entfaltet, dieses Lied aus Stille. Seit Jahrzehnten hat es Gerhart Lampa diese Landschaft angetan, vom Tagebau geschunden, das Innerste zuäußerst gewendet und doch wieder mit Grün angetan. Endlos geht der Blick übers Feld, der Horizont ein schmales blaues Band des vergehenden Tages, die Bäume, die ihn säumen, haben schon die Farbe der Nacht angenommen. Oder: ein leuchtendes Rapsfeld, das sich der Dunkelheit entgegenstemmt - wie viel Leben und Hoffnung. Oder die untergehende Sonne, deren Farben zugleich den neuen Morgen verheißen.
An diesem Buch, dem ein Essay von Klaus Trende nachgestellt ist, stimmt einfach alles. Mit Liebe und Sorgfalt und mit finanzieller Unterstützung von Vattenfall ist eine Kostbarkeit entstanden, die es allerdings auch nur in limitierter Auflage von 300 Exemplaren gibt.
Die Vernissage galt einer Ausstellung mit Panoramabildern von Siegfried Laumen, in denen sich Landschaft nicht in ihrer poetischen Dimension, sondern als von der Industrie genutztes Vorkommen spiegelt. Die zu Panoramabildern montierten Fotos des Fachtechnikers im Bereich Bergbau von Vattenfall zeigen Landschaft zwischen ihren beiden Existenzformen - davor und danach. Die Förderbrücke F 60, inzwischen Besucherbergwerk, steht am Rande des Bergheider Sees, dem seine Entstehungsgeschichte noch anzusehen ist. Wasserlachen im Vorfeld, die kahlen Wände des Tagebaus als noch nicht vernarbte Verletzungen der Erde. Ganz anders die Atmos phäre am Restloch Koschen. Außer dem Namen erinnert hier nicht mehr sehr viel an Tagebau. Hier findet der Blick ungehindert den Horizont. Ein paar Birken und Kiefern. Weiße Wolken spiegeln sich im See, ein leichter Wind kräuselt das Wasser - ein Lied aus Stille schwingt im Bild.
Eva Strittmatter wäre gerne zur Buchvorstellung gekommen, ihre Krankheit verhinderte das. Sie hätte wohl auch ihre Freude an diesen Bildern gehabt. „Ich schreibe diese Zeilen, die Ihnen und den anderen sagen sollen, wie traurig ich bin, nicht mehr reisen zu können, um an diesem besonderen Tag bei Ihnen zu sein“ , schrieb die vor wenigen Wochen 66 Jahre alt gewordene Dichterin in einem Brief an Klaus Trende. Erika Kerner, Schauspielerin am Staatstheater Cottbus, las einige der Gedichte während der Buchvorstellung, die ein schöner Auftakt für das neue Veranstaltungsjahr auf Geisendorf war.
Mit Musiksalon zwischen Renft und „London Beat“ , dem Literaturforum, zu dem sich unter anderen Renate Holland-Moritz, Wiglaf Droste und Daniela Dahn angekündigt haben sowie weiteren Ausstellungen ist das Angebot wieder vielseitig. Von einem Ort, an dem Entspannung und Niveau eng verbunden sind, sprach Vattenfall-Vorstandsmitglied Dr. Hermann Borghorst. Im vergangenen Jahr erlebten das 22 000 Geisendorf-Besucher.

Ausstellung bis 28. April, dienstags bis freitags, außer an Feiertagen sowie jeden ersten Sonntag im Monat von 10 bis 16 Uhr