Mirlan Abdykalykov ist der Sohn des renommierten kirgisischen Regisseurs Aktan Arym Kubat. Dieser ist auch in Cottbus ganz und gar kein Unbekannter. Sein Film "Der Dieb des Lichts” war beim hiesigen Festival 2010 Publikumsliebling, und "Beschkempir" hatte 1998 hier den Hauptpreis und überdies den Silbernen Löwen von Locarno gewonnen. In "Beshkempir” begann Sohn Mirlan seine filmische Laufbahn als Schauspieler. In seinem ersten Film als Regisseur, "Nomaden des Himmels", sind ihm zauberhaft arrangierte Bilder vor gewaltiger Gebirgslandschaft gelungen. Erzählt wird die Geschichte einer Nomadenfamilie in Kirgistan, es ist die Geschichte einer langsam verschwindenden Lebensform. Der Streifen soll 2016 in die deutschen Kinos kommen.

Eine sehr persönliche Erzählung ist "Chemo" des polnischen Regisseurs Bartek Prokopowicz. Lena und Benedykt haben sich gerade ineinander verliebt, da bekommt Lena die Diagnose Brustkrebs. Aber diese Liebe ist stark! Prokopowicz, dessen eigene Ehefrau 2012 an Krebs starb, inszeniert sein schweres Thema mit leichter Hand, wie ein Musical: Der Tod gehört zum Leben.

Um die Liebe, die allerdings unmöglich scheint, geht es in "Mittagssonne" aus Kroatien, dessen Regisseur Dalibor Matanic schon im Jahr 2000 mit seinem Spielfilm "Die Kassiererin möchte ans Meer" in Cottbus vertreten war. Nun stellt er drei Liebesbeziehungen zwischen einer Serbin und einer Kroatin vor. Sie spielen 1991, 2001 und 2011. Der Irrsinn des Krieges bricht ins Private ein. Die Hauptfiguren werden in allen drei Episoden dargestellt von Tihana Lazovic und Goran Markovic. Äußerst emotional, äußerst sehenswert!

Ein recht schräger Wettbewerbsbeitrag kommt vom Russen Vasiliy Sigarev: "Das Land von Oz". Landei Lenka (Sigarevs Gattin Yana Troyanova) irrt mit großen Augen in der Silvesternacht auf dem Weg zu einem Kiosk-Job durch die Millionenstadt Jekaterinburg. Das Naivchen macht allerhand Bekanntschaften, die ihr gewiss nicht immer guttun. Denn es sind durchaus durchgeknallte Typen dabei. Der Film ist böse und komödiantisch zugleich und bietet einige hervorragende Darsteller auf.

Filme der anderen Art waren am Mittwoch im Glad-House zu sehen gewesen. Der sowjetische Stummfilm "Die Tochter des Heiligen" von 1931 - 35mm - mit livemusikalischer Begleitung ist eine Rarität. Ebenso der Werbefilm "Cottbus 70", der spontan im Glad-House-Saal eingesetzt wurde, weil sich das für 21.30 Uhr geplante 3D-Projekt "Elegia Industrial" der Cottbuser Donald Saischowa (Regie) und Stefan Friedrich (kongeniale Live-Percussion) aus technischen Gründen erheblich verzögerte. Dann aber: Was für eine elegische Ästhetik der Zerstörung beim Abriss des Kraftwerks Vetschau, gekontert von maledivischen Unterwasseraufnahmen!

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