"Ich bin dem Theater und den Kollegen hier sehr verbunden, ich bin glücklich", sagt die Schauspielerin und Regisseurin, die heute 65 Jahre alt wird.
Die Mitarbeiter seien motiviert, die Spielfreude des Ensembles gebe Anlass zu den schönsten Hoffnungen, schrieb Katja Paryla zur Vorstellung des neuen Spielplans. Das mache Lust, mit dieser Truppe Geschichten zu erzählen, Geschichten für die Zuschauer: "Man muss das Publikum lieben."
Katja Paryla stammt aus einer berühmten österreichischen Schauspielerfamilie. Geboren in Zürich, aufgewachsen in Wien, kam sie 1956 mit ihrem Vater Emil Stöhr nach Berlin und studierte anfangs Modegestaltung. "Als ich dann den Wunsch äußerte, ich möchte weiterstudieren, habe ich eigentlich bei allen absolutes Unverständnis geerntet", erzählt Paryla. Vorgesprochen habe sie die Kerkerszene Gretchens aus "Faust" und die heilige Johanna von Shaw. "Am meisten nervös war ich, ob ich auch noch ein Gedicht aufsagen muss." Die Fahrt nach Hause in der S-Bahn, nach bestandener Prüfung, "war schon etwas ganz Tolles", erinnert sie sich.
Stationen ihres Werdegangs als Schauspielerin in den verschiedensten Rolle wie die Rosaura in Goldonis "La donna di garbo", die Klytämnestra in Sophokles "Elektra" oder die Titania in Shakespeares "Sommernachtstraum" waren etwa in Berlin die Volksbühne, das Deutsche Theater und das Schillertheater. Zugleich übernahm sie Rollen bei der DEFA und im DDR-Fernsehen. Ihre wohl bekannteste Rolle ist die der Hexe in "Spuk unterm Riesenrad" und "Spuk im Hochhaus". Von 1991 an arbeitete die Schauspielerin auch als Regisseurin, bis 2001 auch am Deutschen Nationaltheater Weimar. Das Cottbuser Publikum lernte sie 2001 als Regisseurin von Michael Coomeys Farce „Cash“ kennen.
Seit vielen Jahren schon gibt Katja Paryla ihre Berufserfahrung an Schauspielschüler weiter. Seit 1985 war sie als Dozentin an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" tätig. Erst vor wenigen Tagen berief die Leipziger Hochschule für Musik und Theater sie zur Professorin. "Das ist sicher als Dank zu verstehen", sagt sie. Mit der Hochschule ist sie seit ihrer Tätigkeit in Weimar verbunden, wo sie das dortige Studio leitete. Auch in Chemnitz ist sie Chefin eines Studios, an dem Schauspielstudenten ihre letzten beiden Studienjahre absolvieren.
Ihre erste Arbeit als Chemnitzer Schauspieldirektorin lieferte Paryla mit dem Stück "Wilder Sommer" von Einar Schleef. Diese Adaption einer Goldoni-Komödie von Schleef (1944-1991) sei bislang nur einmal am Wiener Burgtheater inszeniert worden, sagt sie. Mit Chemnitz hat Paryla aber nicht erst 2004 Bekanntschaft geschlossen: Bereits im April 2003 hatte sie hier Shakespeares "Was ihr wollt" inszeniert.
"Was an den Theatern Chemnitz unter diesen finanziellen Sparzwängen auf die Beine gestellt wird, finde ich bewundernswert", sagt Paryla. Vor Generalintendant Rolf Stiska, der 2006 sein Amt aufgeben wird, ziehe sie den Hut. An dessen Nachfolge denke sie nicht: "Das will ich auf keinen Fall, ich bleibe dem Theater treu".