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Liebe, Sex oder beides?

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Eine Beziehung von fast 20 Jahren auf dem Buckel. Chloe und Rasmus. Anna Ringle-Brändli

Ein Paar, das sich vielleicht viel zu gut kennt. Der Sex ist nicht gerade überwältigend, die Rollen sind klar verteilt und Wünsche nicht gelebt. Aber dann kommt: "Der Tag, als meine Frau einen Mann fand". Der Titel des neuen Romans von Sibylle Berg markiert den Punkt, an dem die Geschichte dieser Ehe eine Wende nimmt. Was macht die Dreier-Konstellation mit dem Paar? Die 52 Jahre alte deutsch-schweizerische Autorin, Dramatikerin und "Spiegel"-Kolumnistin ist bekannt dafür, dass sie keine Schönfärberin ist und nicht lange um den "heißen Brei" herumredet. Davon kann sich der Leser auch im neuen Roman überzeugen. Nichts für Zartbesaitete. Die Bedürfnisse der Protagonisten - häufig die sexuellen - werden nach außen gekehrt. Blank, simpel. Der Roman ist eine Art Ping-Pong-Spiel der Innensichten von Chloe und Rasmus. Kein Erzähler, kein Kitt - nur die beiden. Frau gegen Mann. Ein Kampf um jeden Meter. Als so ziemlich alles aus den Fugen ist, beginnen die besten Passagen des Romans.

Sibylle Berg: Der Tag, als meine Frau einen Mann fand. Carl Hanser Verlag, 256 Seiten, 19,90 Euro