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"Liebe ist der Humus dieser Erde"

Eulenspiegel-Verlag, 128 Seiten, 6,99 Euro.
Eulenspiegel-Verlag, 128 Seiten, 6,99 Euro. FOTO: Verlag
Ganz gewöhnliche Menschen – nicht mehr ganz jung – verlieben sich. Darum ranken sich die Geschichten im neuen Fortsetzungsroman der RUNDSCHAU "Alter schützt vor Liebe nicht", zu lesen ab dem 24. März. Die RUNDSCHAU sprach darüber mit dem 81-jährigen Autor Günter Herlt.

Günter Herlt, früher befassten Sie sich mit Politik. Heute schreiben Sie Geschichten über die Liebe. Wie passt das zusammen?
Ich war immer nur mit einem Bein in der Politik und Publizistik, mit dem anderen Bein als Reporter und Autor bei Kunst und Unterhaltung. Liebe ist der Humus dieser Erde. Etwas Wichtigeres gibt es gar nicht. Deshalb war ich immer bemüht, offene Antennen dafür zu haben. Im kleinen privaten Bereich wie im großen. Der Ausgangspunkt für dieses Buch aber war vor vielen Jahren, dass ich bei einer Lesung gerügt wurde, ich möge mich mal ein bisschen mehr um die Liebe im Alter kümmern. Denn selbst im Alten- und Pflegeheim gebe es Liebe, Eifersucht und Dramen. So wurde es für mehr als ein Dutzend Bücher mein Thema.

Wie lange sind Sie schon verheiratet?
66 Jahre. Allerdings zählt bei uns der Tag der ersten Begegnung. Seitdem sind wir im Grunde auch täglich verbunden.

"Alter schützt vor Liebe nicht" ist also auch eine ganz persönliche Erfahrung?
Eher die Kehrseite des Spruches: Liebe schützt vorm Altern. Das meint die Liebe im universellen Sinne. Da ist die Lebenspartnerin, da sind die Kinder, Enkel, Freunde und Kollegen und auch die Leserschar, die jedes Jahr etwas Neues lesen möchte. Und so sammele ich weiter Episoden, um sie aufzuschreiben.

Schöpfen Sie als Journalist da auch aus dem wahren Leben?
Heftig. Entweder die Geschichten sind so, dass sich viele damit identifizieren können, oder ich kann damit nicht landen. Manchmal gebe ich natürlich auch meinem Affen Zucker. Satire ist ja auch eine Strähne in meiner Schreiberei. Dann passiert es schon mal, dass einer das nicht wiedererkennt oder nur noch kichern kann. Was die Protagonisten meiner Liebesgeschichten betrifft, könnte ich für jeden eine Person nennen, nicht immer mit den angegebenen Namen und Berufen. Aber es sind immer Leute, die ich in meinem Berliner Kiez treffe und anderswo auch.

Ihre Heldinnen und Helden treffen in ungewöhnlichen Situationen aufeinander. Wo kann einem denn mit zunehmenden Jahren noch die Liebe begegnen?
Verblüfft hat mich, dass ein Viertel aller Grauköpfe der neuen Liebe auf dem Friedhof begegnen. Beim Gießen der Gräber ihrer früheren Partner. Darüber habe ich auch eine Geschichte gemacht. Eine andere handelt von einem Computerclub für Senioren. Da holt sich ein Mann die Welt in die Stube, auch mit der Hoffnung, dass das Alleinsein nicht so bedrückt. Der sucht dann irgendwann auch die Seiten mit den Partnerangeboten. Und trifft auf "Katharina die Große".

Nicht jede Ihrer Geschichten hat ein Happy End. Was hindert Menschen am Glücklichsein?
Mangelndes Selbstvertrauen. Widrige Umstände, die mit dem körperlichen Befinden einhergehen, mit Versagensängsten. Auch materielle Engpässe. Nicht bei jedem reicht es für die Traumreise. Fürs Käpt'n Dinner. Aber eine Bootsfahrt kann auch schön sein.

Das Buch ist gerade im Eulenspiegel-Verlag erschienen. Haben Sie schon seine Wirkung getestet?
Zuerst bei meiner Frau. Und rund um den Frauentag habe ich oft daraus gelesen. Das passte besonders gut, denn der hat auch ja sehr viel mit Liebe zu tun.

Mit Günter Herlt sprach

Ida Kretzschmar

Lesung mit Günter Herlt am 20. März, 16 Uhr, in der Stadt- und Regionalbibliothek Cottbus - Auftakt für einen Buch-Abdruck in der Lausitzer Rundschau. Kartenvorbestellung unter Telefon: (0355) 3806024

www.bibliothek-cottbus.de .