Museen im Osten verlieren mit Monatsende zahlreiche Kunstgüter aus ihren Sammlungen. Bilder, Möbel, Bücher oder Waffen, die im Zuge der Bodenreform nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet wurden, müssen bei sicher geklärter Herkunft an die Alteigentümer zurückgegeben werden. Der in Dresden tätige Provenienzexperte Gilbert Lupfer geht von einer fünfstelligen Gesamtzahl aus. Nach einem Bundesgesetz durften die Kunstgüter 20 Jahre im sogenannten Nießbrauch kostenlos genutzt und gezeigt werden. Die Frist endet am 30. November.

"Grundsätzlich besteht keine Sorge, dass ein Großteil von Sachsens Museen ab 1. Dezember leer sind", sagte die Direktorin der Landesstelle für Museumswesen, Katja Margarethe Mieth. Seit 1994 haben Museen, Bibliotheken und Archive mit Hilfe der Länder und Kommunen wichtige Stücke angekauft, als Dauerleihgaben oder zur Nutzung gegen Entgelt in Verhandlungen mit den Alteigentümern für ihre Sammlungen gesichert. In Brandenburg wurden zahlreiche Kunstwerke an die Eigentümer zurückgegeben, allein von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten 137. Dennoch bleiben die wichtigsten Stücke der Öffentlichkeit erhalten. In diesen Fällen sei es in der Regel gelungen, mit den Eigentümern einvernehmliche Lösungen zu finden, teilte das Potsdamer Kulturministerium mit. So konnten die Kunstwerke durch Ankauf oder als Dauerleihgaben gesichert werden.

In Sachsen-Anhalt sind laut Kultusministerium noch 200 Anträge offen, in denen es um rund 18 000 Einzelstücke von der Kuchengabel bis zu Teppichen und Büchern geht. Das auslaufende Nießbrauchsrecht werde die Sammlungen aber nicht lichten, sagte ein Sprecher. In vielen Fällen, wo besonderes Landesinteresse an Ausstellungsstücken bestand, seien Lösungen gefunden worden.

Prominentestes Beispiel ist die Löwenstatue in Blankenburg im Harz, die zwar an das Haus Hannover restituiert wurde, per Leihvertrag aber an ihrem Platz bleiben konnte. Das Haus Anhalt verzichtete auf 15 Gemälde mit großer kunst- und kulturhistorischer Bedeutung für das Land, darunter Fürstenbildnisse von Cranach.