Ahh Ahh Ahhh, Ahh Ahh Ahh Ahh. . . Ahh Ahh Ahh Ahh Ahh. Das haben die Fans drauf. Da braucht Bernie Shaw nur ein kleines Zeichen mit der Hand zu geben. Der Frontmann von Uriah Heep zieht die Leute ohnehin mit unerhörter Power und eigenwilligem Charme von Anfang an in dieses Konzert förmlich hinein. Unentwegt singen, kreischen und tanzen sie zu den wummernden Bässen. Auch wenn es ein bisschen dauert, bis zu diesem hingebungsvollen Ahh-Ende von "Lady in Black".

Zu Beginn heizt die junge Würzburger Retrorock-Formation Wolve Spirit mit der bemerkenswerten Bluesröhre Debby Craft erst mal vor. Womit erklärt ist, warum mit der Tour zweisprachig "Rock The Haus" versprochen wird. Die Botschaft des Abends "We want peace, love and Rock'n'Roll!" aber erhält einen unerhört aktuellen Beigeschmack.

Und wie hier gerockt wird! "Lady in Black" ist das bekannteste Lied von Uriah Heep. Aber das Ahh-Motiv taucht verkürzt in vielen unvergessenen Songs der 70er-Jahre auf. Und auch wenn die Hardrock-Institution gerade erst ihr 24. Album "Outsider" aufgelegt hat, die Lieder daraus sind hier eher Außenseiter. Die meisten Fans sind wegen der alten Songs gekommen, schwelgen darin wie in ihren abgewetzten Jeans, auch wenn diese manchmal schon ziemlich eng geworden sind am Bauchansatz.

Mit "Gypsy" geht es gleich richtig an den Start. "Easy Livin‘" wird gefeiert, "Stealin". Und "Free Me" natürlich. Das bleibt noch auf dem Heimweg im Ohr.

Ein toller Tour-Auftakt der Rock-Barden in Deutschland. Auch wenn sie längst nicht mehr in der Besetzung wie vor 46 Jahren spielen, ihnen Krankheiten, Drogen, Zerwürfnisse und Todesfälle zugesetzt haben: Sie haben noch genug Power, um die Halle zum Beben zu bringen mit ihrem hymnischen Hardrock, unterbrochen von eingängig soften Klängen. Zumal sie mit Bassist Davey Rimmer ein Verjüngungsprogramm gestartet haben. Der Mittdreißiger gab mit dem neuen Album seinen Einstand bei den Rock-Dinos und fühlt sich auch auf der Cottbuser Bühne sichtlich wohl in der Nähe von Leadgitarrist Mick Box. Das einzig verbliebene Gründungsmitglied von Uriah Heep wirkt hier wie ein Fels in der Brandung. Unglaublich, wie der 68-Jährige mit seiner Gitarre umgeht, zärtlich und drangvoll, als wäre es eine Geliebte.

"Das geht durch und durch!" keucht Martin im Publikumspulk und kann ein Dauergrinsen im Gesicht nicht verhindern: "Ich wäre froh, wenn ich in dem Alter noch so Fußball spielen könnte wie Mick Gitarre", sagt der gebürtige Kölner zu seinen Kumpels aus Eisenhüttenstadt und Neuzelle, die mit ihm am Bühnenrand feiern.

Es sind Männer in den besten Jahren, die hier unter den knapp tausend Fans in der Stadthalle in der Überzahl sind. Manche noch immer mit langem Haar, das sie jetzt naturbelassen tragen wie ihre Idole oder mit Stirnband über dem fehlenden Haaransatz. Die meisten lassen an diesem Abend ihre Frauen (in den Zuschauerreihen) sitzen, um ganz vorn an der Bühne mitzumischen.

Am nächsten Abend ist "Lady in Black" auf den Blauen Planeten gehüpft. Die Band Karat begeistert in der ausverkauften Cottbuser Stadthalle das Publikum mit ihrer Karat Akustik Tour. Claudius Dreilich begrüßt das Publikum und erklärt augenzwinkernd, was Karat akustisch eigentlich bedeutet, und so singt die Band den ersten Song "Schwanenkönig" akustisch, also "ohne Strom". Es folgen "mit Strom" Songs wie "Magisches Licht", "Es war vor einem Jahr" und "Blumen aus Eis", "Ihr zwingt mich nicht in die Knie" und viele andere bekannte Songs.

Die Besucher hält es nicht auf ihren Plätzen, viele singen stehend die Lieder mit. Cottbus an diesem Wochenende: Die Stadthalle rockt, singt, tanzt. Selig in dem Gefühl: Wir haben Rock-Legenden erlebt. Solange sie noch so lebendig sind - und wir auch.

Zum Thema:
Roland Müller (60) aus Finsterwalde: Mein Sohn Thomas und seine Freundin Elisa haben mir die Karten für Uriah Heep zum runden Geburtstag geschenkt. Habe schon vor dem Konzert die CDs rauf und runter gehört. Hardrock ist meine Welt! Ganz heiser vom Mitsingen sind drei Schwestern, die aus Bernau, Frankfurt (Oder) und Seelow nach Cottbus kamen: HeikeWeiher (56), Ilka Pechel (52) und Katrin Belke (50) sind sich einig: Für Uriah Heep mussten wir einfach unsere Sitzplätze aufgeben und vorn mittanzen und singen. Die waren total Klasse, haben nicht einfach nur ein Programm abgespult, sondern waren mit viel Spaß dabei. Elke Wolff aus Cottbus: Es ist Wahnsinn und es war ein supertolles Konzert. Gerade das Akustikkonzert ist eine ganz neue Form und vermittelt einen familiären Charakter. Die Bühne wirkt wie ein Wohnzimmer. Karat ist Karat, wie wir sie aus DDR-Zeiten kennen. Die lassen sich nicht verbiegen. Sylvio Dasler aus Cottbus: Bei Karat-Konzerten war ich bestimmt schon 20- oder 30-mal. Schon zu Ostzeiten. Ich habe alle CD`s und viele Autogrammkarten. Mit den Bandmitgliedern bin ich befreundet. Mir hat es jedenfalls wieder fantastisch gefallen. mih1