In dem Buch "Unter einem Dach" ziehen Sußebach und Baitar nun Bilanz. Jeweils abwechselnd schildern der Journalist und der Flüchtling Momente der Annäherung, der Entdeckung und des Vertrautwerdens, aber auch der Irritationen und der Fremdheit. So muss sich die Familie erst einmal an die Gebetsrituale und komplizierten Waschungen des Gastes gewöhnen, und für Amir erscheinen nicht nur die Geheimnisse der deutschen Mülltrennung und des Ehelebens verstörend. Anstrengend ist das Zusammenleben nicht nur deshalb, weil zwei ganz unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen, sondern auch, weil der Flüchtling hier im langwierigen Prozess der Integration auf die Stufe eines Heranwachsenden zurückgeworfen wird. Doch auch der heimische Gastvater muss Neues lernen. Ein ehrliches und ermutigendes Buch abseits aller Verklärungen.

Amir Baitar, Henning Sußebach: Unter einem Dach. Rowohlt Verlag, 192 Seiten, 19,95 Euro