Verzweifelt bringt er seine verletzte Frau in das nächste Dorf und gibt dem mexikanischen Kindermädchen (Adriana Barraza) in der fernen Heimat Instruktionen. Währenddessen versucht in Tokio ein Vater (Koji Yakusho) vergeblich, sich mit seiner gehörlosen Teenager-Tochter (Rinko Kikuchi) auszutauschen.
In seinem kunstvollen Kino-Epos "Babel" verknüpft der mexikanische Regisseur und Produzent Alejandro González Iñárritu ("Amores Perros", "21 Gramm") raffiniert verschiedene Handlungsstränge zu einer transkontinentalen Geschichte, deren Logik der Chaostheorie folgt. Bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes erhielt er für "Babel" den Regiepreis.
Notdürftig näht ein Veterinär der blutüberströmten Amerikanerin ihre Wunde, während ihr Ehemann versucht, die ungeduldigen Mitreisenden zum Warten zu bewegen. Derweil wird in den Nachrichten schon über einen Terroranschlag spekuliert. Die Polizei verhört den ursprünglichen Besitzer des Gewehres, der sie zum Haus des Ziegenhirten führt, wo die Beamten sofort das Feuer eröffnen. Auch an der amerikanisch-mexikanischen Grenze eskaliert die Situation, weil das Kindermädchen nicht nachweisen kann, dass sich die beiden kleinen Amerikaner (Elle Fanning, Nathan Gamble) auf Weisung der Eltern in ihrer Obhut befinden.
Ihren Ursprung hat diese weltumspannende Geschichte in Tokio, woher ursprünglich das Jagdgewehr stammt, das eine ganze Lawine aus Unglück, Leid und Schuldzuweisungen ins Rollen bringt. Mit genauem Blick führt der Regisseur vor Augen, wie sehr die menschliche Kommunikation von Missverständnissen und daraus resultierenden Fehlschlüssen geprägt ist.
Mit einem Seitenhieb kritisiert Iñarritu zudem die Rolle der Medien, die diesen folgenschweren Jungen-Streich als Raubüberfall oder Terrorangriff auf die Amerikaner darstellen. Damit legt der Meisterregisseur zugleich offen, wie sehr sich die Wahrnehmungen der Menschen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 verändert haben.
(USA 2006, von Alejandro González Iñárritu, mit Brad Pitt, Cate Blanchett, Said Tarchani)