Einst entstanden als Sparvariante für die Unterweisung preußischer Untertanen in den Kolonistendörfern des urbar gemachten Oderbruchs vereint es in schlichter Hülle in seinem Inneren Kirche und Schule.

Der Fachwerkbau im abgelegenen Alt-Langsow ist insofern eine architektonische Besonderheit, als Karl Friedrich Schinkel beim Bau 1832 mitgewirkt hat. Neben dem Schulzimmer, heute ein kleines Café mit Fragmenten der alten Schultafel, liegt der tonnengewölbte, mit Holzsäulen dreischiffig unterteilte Betraum.

Diese farbig leicht verwitterten weiß-grauen Holzsäulen scheinen geradezu auf Solveig Karen Bolduans Holzskulpturen gewartet zu haben. Die in der Prignitz Geborene, aufgewachsen in der Lausitz, studierte an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und arbeitet seit 1983 freischaffend in der heutigen Gemeinde Felixsee.

Sie ist diplomierte Bildhauerin, aber ebenso profilierte Malerin. Ihre "Annegrete 1938", ihr "Kleinkind" scheinen aus den Säulen des Langsower Betraumes herauszutreten. Sie haben die Stabilität funktionaler Körperhaftigkeit, das spannungsvoll Aufrechte und das Elementare der Formgestalt dieser Säulen ins Künstlerische transformiert.

Bei Solveig Karen Bolduans Holzskulpturen ist nichts geschönt, gerundet, geglättet. Da hakt sich das Auge fest, und das immer wieder an den fast archaisch anmutenden Köpfen. Es ist die sehr wohl berechnete, großzügig, aber entschieden geschnittene Form, die so fasziniert, auch, weil sie den Betrachter suggestiv drängt, seinen Standpunkt zu finden.

Aus Holz- und Stoffresten

Solveig Karen Bolduan formuliert in aller Entschiedenheit, dass "Kunst immer nur ein Angebot" sein kann. Was bei einigen Figuren, sei es eine weibliche Gestalt oder seien es Hunde, von fern wie Holz erscheint, ist Stoff, ist eine Art Körper-Collage, zusammengenäht aus unterschiedlichsten, farbig abenteuerlichen Stoffresten. "Man trägt wieder Hund" nennt sie die lebensgroße Frauenfigur. Im Arm hält sie einen Stoff-Mops. Ein anderer liegt ihr zu Füßen. Stolz daneben steht ein friedrizianisches Windspiel - der Ort erfordert Referenz an den hier einmal friedlich Land erobernden König. Es ist die versteckte, dennoch unübersehbare Ironie, die diese Skulpturen so erfrischend wirken lässt. Eine der schönsten, weil in der Konzen-tration der Form große Ruhe ausstrahlende Arbeiten ist die holzfarbene "Lastenträgerin", erst vor wenigen Wochen entstanden.

Wo Holz ist, und sei es auch nur Abfall, kann Solveig Karen Bolduan nicht vorübergehen. Aus Holzresten, aus Brettchen, Leisten, Klötzern baut sie Türme und ganze Turmstädte mit Visionen von Hochhäusern und hochragenden Kirchtürmen - ein fantastisches Spielzeugland, an dem man weiterbauen möchte.

Intensive Farbigkeit in den Raum bringt Matthias Körner mit seinen Malereien. Er ist ein Späteinsteiger. Mitte der achtziger Jahre beginnt er, sich mit Malerei zu beschäftigen und findet in Cottbus Mentoren wie Rainer Zille und Hans Scheuerecker. Körner malt nicht in der Vorstellung bereits Vorgefertigtes. Seine Bilder formen sich auf der Leinwand. Im Malprozess wird erst einmal vieles fixiert, dann reduziert, geordnet, auch wieder hinzugefügt, bis der entscheidende Moment erreicht ist, wo das Bild in seiner Formgestalt für sich existieren kann.

Warme Farbigkeit

Es sind nonfigurative Arbeiten, bei denen aber figurative Fragmente, interpretatorische Signale gewissermaßen, nicht eliminiert werden. Entscheidend ist die warme Farbigkeit in einer in ihren Flächen und farbgrafischen Strukturen bewegten, abstrakten Komposition. Zu seinen empfindsamsten Farben zählt Schwarz. So war es eigentlich vorauszusehen, dass Matthias Körner bei der Grafik ankommen wird.

An den Wänden hängen seine "Apostel", aus bearbeiteten Fotografien in einem mehrstufigen Verfahren entwickelte Tiefdrucke. Motiv sind auf allen Blättern Menschen, die auf dem Wege sind, vom Kind bis zum Greis. Sie gehen von uns weg. Wir sehen ihre Rücken. Körner will hier bewusst etwas "sagen" wie jene im Bild, die wir gehen ließen und die uns etwas zu sagen hätten. Letztlich aber ist es wieder das künstlerische Geflecht von Schwarz und Weiß über diffizil gestuftes Grau, was die Wirkung dieser Grafikserie ausmacht.

Bis 7. Mai, Mittwoch bis Sonntag 13 bis 16 Uhr und nach tel. Vereinbarung 03346/844 343. Alt-Langsow, Schul- und Bethaus, Anfahrt über Zentrum Seelow nach Norden in Richtung Werbig