Wie sind Sie auf den Künstlernamen Kurt Krömer gekommen?

Krömer hieß mein Deutsch- und Geschichtslehrer. Eigentlich hatte ich als Kind nicht sehr viel Bock auf Schule, aber von seinen Unterrichtsmethoden war ich immer sehr angetan. Für Deutsch und Geschichte interessiere ich mich noch heute sehr.

Ich würde Kurt Krömer so beschreiben: extrem ordinär und taktlos, trotzdem sehr liebenswert. Was halten Sie von Ihrem Charakter?

Ich bin einfach frei heraus. Vielleicht würde ich noch liebenswerter wirken, wenn ich das Ordinäre etwas herausnehmen würde, aber dann könnten manche Leute im Publikum womöglich wegknicken oder sagen: Das ist mir jetzt zu soft. Ich glaube, ich habe meinen Weg gefunden, und bin froh, dass ich mich auf der Bühne nicht großartig verbiegen muss.

Haben Sie schon bemerkt, dass Sie vor allem bei Frauen gut ankommen?

Das geht Komikern generell so. Frauen sind einfach viel alberner als wir Männer, sie lachen lieber und lachen auch viel mehr. Aussehen und dicke Plauze sind ihnen bei ihrem Partner egal. Sie sagen: Hauptsache, er bringt mich zum Lachen.

Das schreiben Frauen sehr oft in Kontaktanzeigen.

Die rufe ich alle an und habe immer Erfolg.

Ihre Auftritte funktionieren auch am besten, wenn Sie weibliche Gäste auf der Bühne haben.

So macht es mir einfach mehr Spaß. Ich finde es viel interessanter, eine Frau neben mir auf der Bühne zu haben, als einen herumpöbelnden alten Herrn, zum Beispiel den Berliner Ex-Bürgermeister Walter Momper.

Bei aller Berliner Ruppigkeit ist Kurt Krömer ziemlich höflich. Stimmt der Eindruck, dass Sie lieber siezen als duzen?

Ja. Das hat sich aus dem Privatleben herübergerettet. Ich sieze generell, wenn ich Leute nicht kenne. Das soll nicht unbedingt lustig klingen.

Welche Vorbilder haben Sie?

Eigentlich keine. Ich will kein Abziehbild von jemand anderem sein. Die Filme von Louis de Funès haben meine Berufswahl beeinflusst. Ich dachte: Der alte lustige kleine Mann macht das ganz gut, so etwas könnte ich mir auch vorstellen.

Werden Sie in Zukunft in weitere Bühnenfiguren schlüpfen? Wie Ihr britischer Kollege Sacha Baron Cohen, der mal Ali G., mal Borat oder Bruno ist?

Ich glaube nicht. Ich bin einfach Kurt Krömer und sehe mich nicht als Spieler einer Kunstfigur, sondern als Clown, der aufpassen muss, dass er sich weiterentwickelt.

Sie trennen also nicht zwischen Ihrem Privatleben als Alexander Bojcan und Ihrem Bühnenleben als Kurt Krömer?

Das Private fließt ins Programm mit ein, sonst wäre es nicht authentisch. Ich bin als Komiker kein Schauspieler, der einen anderen Charakter verkörpert - nicht wie Hape Kerkeling, wenn er gelegentlich Horst Schlämmer spielt.

In welche Richtung wollen Sie Ihre Auftritte weiterentwickeln?

Mein neues Programm heißt "Kurt Krömer - Der nackte Wahnsinn". Kurt Krömer nackt bedeutet: nur das gesprochene Wort. Ich verzichte auf Sperenzchen, auf Requisiten, auf eine Showtreppe, auf Tänzerinnen im Hintergrund, auf alle Sachen, die ablenken. Die wenigen Requisiten, die ich benutze, passen in eine Plastiktüte.

Bei "Kröm de la Kröm" in Cottbus vor drei Jahren waren die Requisiten auch eher schlicht.

Das war alles Ramsch, aber eine Menge, die mitgeschleppt werden musste: eine aufblasbare Couch, ein Stuhl, ein Teppich, eine Telefonanlage, ein Keyboard. Ohne diese Dinge bin ich viel freier. Jetzt kann ich mich mit Kladde und Kugelschreiber in einen Zug setzen und am Abend irgendwo auftreten.

Welche nächsten Karriereziele haben Sie?

Zurzeit landen schöne Schauspielangebote auf meinem Tisch. Gerade habe ich als Wichtelmann bei einem Nils-Holgerssohn-Filmdreh mitgemacht und neben Michael Gwisdek bei "Huck Finn" mitgespielt.

Wieso geben Sie Ihre Show in der ARD auf?

Ich bin dankbar, dass sie mich dort machen ließen, was ich wollte, und nie wegen der Quote reingequatscht haben. Es waren fünf schöne Jahre. Aber ich will den Bogen nicht überspannen, bis mich irgendwann keiner mehr sehen will.

Werden Sie in Cottbus Vollbart tragen?

Der Vollbart ist ab, der ist nur im Fernsehen immer noch zu sehen, weil die Sendungen vor längerer Zeit aufgezeichnet wurden.

Sie sehen mit Bart viel seriöser aus.

Der Karl Marx der Comedy-Szene! (lacht) Das Problem war: Es fehlte die Hälfte von meinem Gesicht, die Mimik, deswegen habe ich den Bart abgeschnitten. Lach doch mal, hieß es oft, worauf ich antwortete: Ich kriege gleich einen Krampf im Mund, weil ich mich totlache. Ihr seht es nur nicht.

"Kurt Krömer - Der nackte Wahnsinn", Stadthalle Cottbus, 29. Oktober, 20 Uhr (ausverkauft). Zusatztermin: 16. März 2012, 20 Uhr. Vorverkaufsstart: 15. Oktober. Karten kosten zwischen 24,20 Euro und 38 Euro. Erhältlich in der Stadthalle, bei allen Rundschau-Service-Partnern, in allen CTS-Vorverkaufsstellen und unter Telefon 0355/5902929.