Vielen Aspekten der Diskussion in der Lausitzer Rundschau kann man zustimmen. Einer Reihe von Vorstellungen und Beurteilungen fehlt allerdings der Bezug zur tatsächlichen Situation des Kunstmuseums Dieselkraftwerk und zur Lage im Museumswesen insgesamt.

Das beginnt schon bei der Schlagzeile am 30. August: „Wie sich das dkw bezahlt machen kann“. Das ist leider eine utopische Vorgabe. Kunstmuseen, wie überhaupt Museen, machen sich im Allgemeinen nicht bezahlt. Wenige Ausnahmen sind möglich. Fraglich ist allerdings auch, ob finanzielle Wirtschaftlichkeit im Kultur- und Kunstbereich den Vorrang hat, oder ob es hier nicht um ganz andere Werte für die Gesellschaft geht.

Unterstreichen möchte ich die Forderung nach den passenden Rahmenbedingungen:

Der attraktive Baukomplex des Kunstmuseums Dieselkraftwerk liegt nahe am Stadtzentrum, aber der Zugang dahin ist – vor allem für Auswärtige – kompliziert. Die Möglichkeit, von der Oberkirche gewissermaßen auf geradem Wege über eine zu errichtende Spreebrücke unmittelbar zum Kunstmuseum zu gelangen, würde eine bessere Anbindung schaffen. Die Realisierung dieser Vision ist bisher aus finanziellen Gründen nicht möglich gewesen.

Vielleicht eine Quadriennale?

Ein Problemkreis, der in den veröffentlichten Zuschriften eine Rolle gespielt hat, ist die Frage, ob mehr Arbeiten und Ausstellungen von Künstlern aus unserer Region gezeigt werden sollten. Das Kunstmuseum dkw war bis zur politischen Wende Kunstmuseum des Bezirkes Cottbus. Seit die damaligen Staatlichen Kunstsammlungen Cottbus im Dezember 1990 den Status der Landesgalerie erhielten, müsste die Frage also lauten: Wird genügend für Kunst und Künstler aus dem Land Brandenburg getan?

Einiges geschieht ja bereits in dieser Hinsicht. Zu überlegen wäre, ob es (vielleicht als Quadriennale) eine Brandenburgische Kunstausstellung geben sollte.

Das dkw ist zusammen mit dem Theater in der Brandenburgischen Kulturstiftung vereint. Was als kultureller Rettungsversuch für beide Institutionen gedacht war, erweist sich nun als nachteilig für das Museum.

Logischerweise beansprucht das Theater den Löwenanteil der finanziellen Mittel. Wenngleich die Personalkosten für ein Kunstmuseum überschaubar sind, benötigt es doch Mittel für Ankäufe, Ausstellungen, Versicherungen, Transporte. Deshalb sollte aus meiner Sicht in der Gewichtung des dkw einiges verbessert werden.

Museen können im Bezug auf die Besucherzahlen meist nicht mit Theatern konkurrieren. Das sollte ihnen aber nicht geringere Wertschätzung einbringen. Museen sind Schatzkammern der Gesellschaft. Ihr eigentlicher Schatz sind die Sammlungsbestände.

In zwei der veröffentlichten Zuschriften wird empfohlen, mehr Ausstellungen mit hochrangiger Kunst zu zeigen. Als Beispiel dienten die seit rund 100 Jahren bestehenden Kunstsammlungen Chemnitz. Eine Picassoausstellung wie dort erforderte Kosten, die für Cottbus in einem utopischen Bereich liegen. Trotz wesentlich geringerer finanzieller Möglichkeiten hat das Kunstmuseum Dieselkraftwerk eine Reihe hervorragender Ausstellungen durchgeführt, von denen die Exposition „Farbwelten“ besonderen Anklang fand.

Für Cottbus ist es ein Glück, sowohl ein Jugendstiltheater (eines von zwei in Deutschland) am Ort zu haben als auch ein modernes neues Kunstmuseum, das in einem restaurierten denkmalgeschützten ehemaligen Industriebau einziehen konnte, das inzwischen deutschlandweit Beachtung findet.

Dr. Perdita von Kraft hat als Direktorin des Cottbuser Kunstmuseums ihre Anstrengungen auch auf ein neues Haus für die Kunstsammlungen gerichtet. Sie wurde dabei nachhaltig unterstützt von Prof. Heinz Nagler und von der BTU Cottbus. Wichtige Verbündete sind die Freunde und Förderer e. V. des Kunstmuseums, die mit dazu beitragen, dass durch Ankäufe der Bestand des Museums wächst.

Das sich entwickelnde Profil des Hauses als Museum für zeitgenössische Kunst mit dem Schwerpunkt Landschaft / Raum / Natur / Umwelt ist für manchen, der es lieber enger sehen möchte, ein Streitpunkt. Für die Cottbuser Kunstsammlungen ist es sicher eine angemessene richtige Lösung.

Die Stadt Cottbus und das Land Brandenburg sollten Frau Dr. von Kraft, die Ende des Jahres ihr Amt nach 17-jähriger – auch Konflikte einschließender – Tätigkeit beendet, mit Dank und Anerkennung verabschieden.