Bei der Frage nach dem Warum? holt Lothar Schneider erst tief Luft und dann verbal weit aus. "Die bildende Kunst wird im Landkreises Dahme-Spreewald seit Jahren vernachlässigt." Unter dem Begriff "Kunst" würde alles in einen Topf geworfen, ohne zwischen Bereichen wie Volkskunst, künstlerisches Volksschaffen oder professionelle Kunst zu unterscheiden. Auch vom Brandenburgischen Landesverband der bildenden Künstler, mit Sitz in Potsdam, sei nicht zu erwarten, dass von dort Impulse auf Lübben überspringen. "Anregungen mussten von Innen heraus kommen, von den Künstlern, deshalb die Gründung des KBL."

Kreativität Jugendlicher fördern In der aus sechs Punkten bestehenden Gründungssatzung des KBL stehen dessen Ziele an erster Stelle. So wolle sich der bisher aus 12 professionellen Künstlern aus Lübben, Luckau, Cottbus, Senftenberg, Finsterwalde, Teupitz und Königs Wusterhausen bestehende Bund mit den Themen der Gegenwart auseinandersetzen, die Künste mit den Interessen der Menschen verbinden und besonders junge Menschen an künstlerische Kreativität heranführen.

Eine erste Kostprobe, wie dies in der praktischen Umsetzung aussieht, gab es im Dezember. In einem Lübbener Autohaus fand die erste, vom KBL initiierte, Grafikbörse mit 22 Künstlern aus Brandenburg und Sachsen statt. "Mit dem Besucher-Zuspruch können wir für eine erste Veranstaltung zufrieden sein", sagt Schneider. Weit wichtiger sei jedoch, "dass alle Künstler interessiert sind, auch an der nächsten Grafikbörse in diesem Jahr teilzunehmen".

Dass die Börse in einem Autohaus stattfand, resultierte aus der (momentanen) Heimatlosigkeit des Künstlerbundes. "Unser größtes Problem ist, dass wir noch keine eigenen Räume für feste Ausstellungen und Veranstaltungen haben", sagt der Sprecher. Zwar gebe es Möglichkeiten in Kellerräumen des Lübbener Rathauses mit separatem Eingang, doch müssten diese erst hergerichtet werden. Dazu Lothar Schneider: "Eine gemeinsame Begehung der Räume von Vertretern der Stadt und der Künstler fand bereits statt. Dabei wurde besprochen, was alles gemacht werden müsste. Doch die Kosten dafür sind noch nicht im Lübbener Haushalt eingeplant." Um dies zu ändern, und um vielleicht auch Sponsoren anzulocken, will Schneider in den nächsten Monaten die Werbetrommel für den KBL rühren.

Ein Logo und einen Namen für die Räume gebe es schon. "Künstlerkeller Lübben" – fast liebevoll spricht Lothar Schneider den Namen aus und fügt hinzu: "Für Lübben als Erholungsort wäre dies ebenfalls eine Bereicherung." Der Spreewald, das sei nicht nur die Gurke, sagt er und plädiert dafür, den erdbezogenen Blick zu heben und in die Weite zu richten. "Um als Stadt touristisch anziehend zu bleiben, reicht Natur nicht aus. Es müssen auch Inhalte vermittelt werden."

Auch ohne festen Raum haben sich die 12 Künstler für dieses Jahr neben der Grafikbörse einiges vorgenommen. "Es wird ein Frühjahrs-Plenair geben. Dafür nutzen wir die Natur als Raum", verrät der Karikaturist. Auch reisten zwei Mitglieder zu einem Künstlertreffen nach Polen. "Ein Vagabundenleben", wie Schneider halb lächelnd, halb nachdenklich zugibt.

Ständige Ausstellung geplant Nach Plänen gefragt, was der KBL in eigenen Räumen veranstalten würde, sprudeln die Ideen aus Lothar Schneider heraus: "Zum einen soll es eine ständige Ausstellung geben, bei der von jedem Mitglied mindestens zwei Arbeiten gezeigt werden. Auch Ausstellungen von Künstlern aus anderen Regionen sind denkbar." Transparenz nach außen soll durch Workshops für Jugendliche und auch für ältere Menschen entstehen. Gespräche zu allen möglichen Themen oder die Zusammenarbeit mit Kunststudenten könne er sich ebenfalls vorstellen, wagt der Karikaturist einen Blick in die Zukunft.

Zur Mitgliederfrage sagt Lothar Schneider, dass neben der Professionalität auch der Wille da sein müsse, sich aktiv einzubringen. "Wer nur ausstellen möchte, ist fehl am Platz." Weite und offene Türen, das sei das Anliegen des Künstlerbundes.

Ob aus den symbolischen Türen noch in diesem Jahr real greifbare werden, weiß Schneider nicht. "Ich bin Optimist und hoffe, dass es im Herbst vielleicht soweit ist." Seiner Zielsetzung werde der KBL auch ohne Räume folgen, denn: "Kunst muss nach draußen. Sie muss transparent sein, bilden und zum Nachdenken anregen. Im stillen Kämmerlein produziert und versteckt nützt sie niemandem."
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Zum Thema: Professionalität als Grundlage für Mitgliedschaft

Mitglied im Künstlerbund Lübben (KBL) kann werden, wer den Nachweis erbringt, eine Kunstschule besucht zu haben oder professionell künstlerisch tätig zu sein. Kontakt zum KBL per Post: c/o KUK im Rathaus Lübben, Poststraße 5, 15907 Lübben, oder per Telefon: 0152/02 14 93 03.
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