Anlässlich seines 70. Geburtstags widmet die Galerie am Schloss in Senftenberg dem in Seidewinkel bei Hoyerswerda lebenden Künstler eine Retrospektive.
Manfred Vollmert wurde in Hangelsberg/Spree geboren. Nach einer Lehre als Stahlgraveur studierte er in den 50er-Jahren auf der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein bei Karl Müller. Dieser gab die kunsthandwerklichen Traditionen des Werkbundes und des Bauhauses an ihn weiter. Sie verpflichten auf die Moderne ebenso wie auf Qualität. Die Formgestaltung soll schlicht und funktional sein und das verwendete Material zur Geltung bringen.

Kühle Glätte, klare Formen
Das alles trifft auf die Werke Vollmerts, die in Senftenberg gezeigt werden, zu. Die Bandbreite reicht von sakralen und weltlichen Gebrauchsgegenständen wie Abendmahlskelchen, Kerzenständern oder Besteck über Gedenkmedaillen bis zu monumentalen Objekten für den öffentlichen Raum. Letztere werden als verkleinerte Modelle gezeigt. Edelstahl dominiert, Messing, Kupfer und Bronze zählen ebenfalls zu den verwendeten Materialien. Daneben gibt es bildliche Vorstudien sowie eine Reihe von Aktskizzen zu sehen.
Wie wirkt das alles zusammen? Zunächst ist man von den klaren Formen und sorgfältig behandelten Oberflächen beeindruckt. Die kühle, geschwungene und abgerundete Glätte erweckt den Wunsch, die Gegenstände zu berühren.
Vollmerts Metalldesign orientiert sich an der Natur; Blattwerk, Baumstämme und Tiergestalten lassen sich in vereinfachter Form entdecken. Der Bezug zum Natürlichen wird auch durch gelegentlich eingearbeitetes Holz angedeutet.
Bei längerer Betrachtung kann aber nur ein Teil der Kunstwerke ästhetisch überzeugen. Am gelungensten sind die Gebrauchsgegenstände. Gerade die Abendmahlsgeräte haben eine angemessen würdig-strenge und zugleich prachtvolle Anmutung.

Aufgebrezelte Billigmoderne
Mit den Objekten für den öffentlichen Raum dagegen ist es so eine Sache. Diese Form von Kunst hat offenbar den Zweck, die seelenlose Architektur der Billigmoderne optisch ein wenig aufzubrezeln, ja, ihr einen Sinn zu geben. Leider leidet die Kunst dabei mehr unter ihrer Umgebung, als dass diese von ihr profitieren könnte.
Beispiel: Vollmerts „Energetische Reflexionen“ am Bahnhof Cottbus, geschaffen mit Heinz Gardzella 1985. Es handelt sich um eine spiegelnde Edelstahlstele, die zwei abgebrochene fossile Baumstämme wie schützend umschließt. Sicherlich war das (auch propagandistisch) im Sinne einer Versöhnung gedacht: Sonnenlicht, Mutter Erde und menschliche Technologie feiern friedliche Vereinigung. Inmitten der Betonwüste des Bahnhofsvorplatzes wirkt die Stelen-Baumleiche aber eher wie der mahnende Zeigefinger der geschändeten Natur.
Ähnlich schlimm steht es um einige Vollmert-Werke jüngerer Zeit, etwa die Edelstahlplastiken vor den Stadtwerken Cottbus (1998) oder dem Berufsschulzentrum Hoyerswerda (1995). In beiden Fällen nehmen die Objekte die Farben der Logos der Auftraggeber auf: beliebiger Designkitsch zu Werbezwecken. Zudem wirkt das, was im Kleinformat der Senftenberger Ausstellung Reiz hat, oft bedrückend, wenn es zu metallenen Ungetümen im Stadtbild aufgeblasen ist.
Ein Manko, das nicht die Kunstwerke, sondern die Ausstellung betrifft: Die Angaben zu den Exponaten sind allzu dürftig, gerade was die verwendeten Materialien und Bearbeitungstechniken betrifft. Angesichts des Anlasses und der Bedeutung, die Manfred Vollmert für das Erscheinungsbild der Lausitzer Städte hat, hätte man sich eine würdigere und fundiertere Präsentation gewünscht. Vielleicht wird diese bei einem künftigen Geburtstag des Jubilars nachgereicht.