den Berliner Richter dank von ihnen verhängter Geldauflagen füllten. Diese Sanktion, die Beschuldigten oder Angeklagten eine Verurteilung erspart, ist möglich, wenn ihre Schuld "als gering anzusehen ist und man wegen der Zahlung eines bestimmten Geldbetrages kein öffentliches Interesse mehr an einer Strafverfolgung annimmt", wie es im Juristendeutsch heißt. Durch die Geldzahlung an eine gemeinnützige Organisation sollen sie einen "Beitrag zur Stütze unserer Gesellschaft leisten, deren Gesetze sie zuvor missachtet haben".
Geldauflagen von rund fünf Millionen Euro verhängte die Berliner Justiz 2005, wovon rund zwei Millionen an 349 Institutionen mit gemeinnützigem Zweck verteilt wurden (der Rest ging in die Staatskasse). Nicht nur solche aus Berlin kamen so zu etwas Geld, unter anderem auch die Stiftung Hänsel & Gretel Karlsruhe, die Kindernothilfe Duisburg, die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger oder die Kinderhilfe Hyvong Vietnam. So unterschiedlich wie die Gemeinwohltäter, die bei der Ausschüttung bedacht wurden, sind auch die Summen, die ihnen die Richter zusprachen. Es geht hinunter bis zu 50 Euro.
Wie wichtig und begehrt die Geldspritzen für die gemeinnützigen Vereine sind, sieht man gerade am Düsseldorfer Landgericht, das gegen eine Geldauflage von 5,8 Millionen Euro den Mannesmann-Prozess gegen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und fünf weitere Angeklagte einstellte. Dort gibt es einen Ansturm von Interessenten, die sich um einen Teil der 2,3 Millionen für gemeinnützige Vereine bewerben.
Etwas für den guten Zweck herauszuholen ist aber auch bei Zivilgerichtsverfahren. Ergiebig war beispielsweise ein Gerichtsstreit um Schmerzensgeld zwischen Dieter Bohlen und Thomas Anders, der sich von seinem Ex-Modern-Talking-Partner in einem Buch verleumdet sah. Der Prozess vor dem Berliner Kammergericht endete 2005 mit einem Vergleich, infolgedessen Bohlen und sein Verlag Random House an Thomas Anders 60 000 Euro für einen karitativen Zweck zahlten.