So steuert ab 15. Oktober - zunächst testweise drei Monate lang - ein Doppeldeckerbus der BVG täglich außer montags im Stundentakt zwölf renommierte Berliner Museen an, von der Neuen Nationalgalerie bis zum Museum für Vor- und Frühgeschichte. Auf der "Top-Museums-Tour" können die Besucher für günstige 18 Euro (Schüler zahlen gar nichts) Berliner "Highlights der Weltkultur" besichtigen. Zudem erzählt ein Experte im Museumsshuttle Interessantes über die anvisierten Kunstschätze, schließlich wendet man sich an Kunstliebhaber, die keineswegs Kunstkenner sind.
Gut möglich, dass der Bus mit den Freunden der musealen Kunst dann einen Bus kreuzt, der gerade ein paar Freunde der eher jugendspezifischen, massenpopulären Kunst befördert. Heute startet nämlich zum ersten Mal die Fritz Musictour Berlin, mit der das rbb-Jugendradio zu einer Exkursion zu den hauptstädtischen Sehenswürdigkeiten in Sachen Popmusik lädt.
Mussten sich Neugierige bisher damit zufrieden geben, mit Kopfhörern und einem Audio-Guide die legendären Clubmusik-Orte der Neunziger in Mitte zu Fuß abzulaufen, können Interessierte an der gesamten Musikszene nun bequem von einem Mythenplatz zum nächsten reisen. Beispielsweise zum Hansa Studio, wo einst Depeche Mode, U2 und David Bowie Platten aufnahmen oder zu Nina Hagens Ostberliner Wohnung oder zu den Techno-Tempeln Tresor und E-Werk.
Neben diesen von Künstlern geprägten Spuren der Popmusikgeschichte werden natürlich auch mediale Schauplätze wie die MTV-Studios passiert und von einem Szenekenner kommentiert. Und weil die MTV-Generation, die vermutlich das Gros der potenziellen Kunden ausmachen dürfte, eine flink abwechselnde Bilderflut gewohnt ist, werden während der Busfahrt natürlich auf Monitoren Interviews mit Künstlern und Szenemachern gezeigt. Die erzählen dann lauter Episoden aus ihren Berlin-Erfahrungen - damals, als es solche Busreisen noch nicht gab.