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| 17:44 Uhr

Kulturentwickler
Auf Tour und in der Scheune: Kultur auf dem Land

Kleinwelka. () Gemächlich tuckert Mike Salomon über die Dorfstraße in Kleinwelka. Seinen Traktor mit angehängtem Wassertank nennt er Glücksmobil, sich selbst „Kulturentwickler“. Das Gefährt hinterlässt die wässrige Botschaft „So ein Glück“.

Seit neun Jahren will der ehemalige Tänzer und studierte Choreograf den Menschen im Osten Sachsens neue Perspektiven jenseits des Bekannten zeigen. Sein jüngstes Projekt: die „Schwesternhäuser“ in dem Ort vor den Toren der Stadt Bautzen.

Mit dem Remise-Verein will Salomon das einstige Domizil für ledige Mädchen und ältere Damen der Herrnhuter Brüderunität zu einem innovativen Kulturstandort entwickeln. Mit Workshops, Stipendiaten, Künstlern, Konzerten, Lesungen, Theater und Kino. Ein erster Schritt ist der „Kultursommer“. Seit drei Jahren lädt Salomon Musiker, Tänzer, Performer oder Autoren zu Auftritten ein, jüngst sang Chansonnier Tim Fischer auf dem Lehmboden.

Die Angebote sind kostenlos. „Kultur ist Bildung und braucht Unterstützung“, sagt der Initiator. „Hier leben die Menschen mit den größten Verlust- und Zukunftsängsten.“ Deshalb seien nicht nur Schulen, Kitas und Arztpraxen wichtig, sondern auch die kulturelle Arbeit. „Die wirkt wie ein Ventil.“

Auch Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) weiß, dass eine große Dichte und Vielfalt kultureller Angebote unverzichtbar sind für Lebensqualität, Bildung, geistigen Reichtum und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Kultur sei kein Sahnehäubchen, was man weglassen könne, wenn das Geld knapp werde oder die Wege zu weit.

Der Freistaat unterstützt die kommunalen Träger von Orchestern, Bibliotheken, Musikschulen, Museen und soziokulturellen Zentren über das Kulturraumgesetz, eine solidarische Land-Kommune-Finanzierung, mit rund 95 Millionen Euro und fördert zudem Mobilitätsprojekte, die Kinder und Jugendliche zu Kultur und kultureller Bildung bringen. „Die Nachfrage ist enorm.“ Die Landesbühnen Sachsen und Orchester touren, die Staatlichen Kunstsammlungen auch, und musikalische Enthusiasten bringen aus Lust am Experiment alljährlich sogar Landmaschinen zum Klingen – bei den Stelzenfestspielen bei Reuth.

Brandenburg konzentriert sich indes zunächst auf die großen „Tanker“, die sich mit ihrer Strahlkraft auf die Entwicklung des kulturellen Lebens auf dem Land und in den Regionen auswirken sollen. Das Staatstheater Cottbus, das Landesmuseum für moderne Kunst oder die Landesbühnen Schwedt und Senftenberg werden gezielt unterstützt, um Gastspiele auf dem Land zu bieten, wo es keine Spielstätten gibt.

Die über 30 professionellen freien Theater erhalten 2018 rund 1,4 Millionen Euro Förderung vom Land, um regionales Leben und kulturelle Bildung zu stärken und den Kulturtourismus zu beleben.

Dabei ist das Theater am Rand in Zollbrücke (Märkisch-Oderland) Kult. Besucher zahlen erst im Nachhinein und so viel, wie ihnen die Vorstellung wert war. Anfangs, vor 20 Jahren, spielte der Musiker Tobias Morgenstern mit Schauspieler Thomas Rühmann in seiner Wohnstube vor Freunden. Inzwischen hat er neu gebaut, im Einklang mit der Natur.

(dpa)