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Kritische Liebeserklärung

Einige sprechen vom "Aschenputtel unter Europas Hauptstädten". Aber viele wollen trotzdem hin. Wilfried Mommert

"An der Schönheit kann's nicht liegen" nennt denn auch der Schriftsteller und Wahlberliner Peter Schneider sein neues Buch, eine kritische Liebeserklärung an die wiedervereinte deutsche Hauptstadt. Den Absurditäten der früher noch geteilten "Frontstadt" zwischen Ost und West hatte Schneider, neben Rudi Dutschke ein Wortführer der 68er-Rebellion, schon 1982 mit seinem "Mauerspringer" ein Buch gewidmet. Sein neues Buch ist sicher nicht das wichtigste Werk des Schriftstellers, der am 21. April 75 Jahre alt wird. Aber es ist doch ein lesenswerter und ebenso unterhaltsamer wie nachdenklich-kritischer Streifzug durch die jüngste Geschichte dieser Metropole. Sie sei sicherlich "mit Abstand die hässlichste Hauptstadt, die er je gesehen habe", sagte ein italienischer Berlin-Besucher dem Autor. Dem setzt Schneider aber auch ein Wort des inzwischen verstorbenen Verlegers Wolf Jobst Siedler entgegen, wonach man sich immer "zwischen der Schönheit eines Ortes und seiner Lebendigkeit entscheiden" müsse.

Peter Schneider: An der Schönheit kann's nicht liegen. . ., Verlag Kiepenheuer & Witsch, 335 Seiten, 19,99 Euro