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| 17:18 Uhr

Kolumne Der Tatort im Rundschau-Visier
Verstörender Fall und Zickenkrieg

 Rüdiger Hofmann
Rüdiger Hofmann FOTO: LR / Sebastian Schubert
Eine verschwundene 15-Jährige, die ihr Kind – aus einer Vergewaltigung heraus entstanden – in der verdreckten Umkleidekabine eines Schulsportplatzes entbindet. Ein Vater, der von einer Schwangerschaft seiner Tochter nichts wissen will. Von Rüdiger Hofmann

Eine Schule, die nichts bemerkt. Es ist ein beklemmender Teppich, die hier in Göttingen ausgerollt wird.

Nachdem ihr in der Krimi-Folge „Der Fall Holdt“ ein fataler Ermittlungsfehler unterlaufen war, wird Kommissarin Lindholm (Maria Furtwängler) vom LKA in Hannover zur Polizeidirektion Göttingen strafversetzt. Seite an Seite soll sie nun mit einer selbstbewussten und ambivalenten Kollegin Anais Schmitz (Florence Kasumba, gebürtig aus Uganda und bekannt aus Hollywood-Produktionen „Black-Panther“ oder „Avengers: Infinity War“) ermitteln, die zunächst viele Vorbehalte gegen die arrogant wirkende Einzelgängerin aus Hannover („Ich arbeite nur mit Kollegen auf meinem Niveau zusammen“) hat. Lindholm verwechselt sie anfangs mit der Putzfrau, wenig später revanchiert sich die Afrodeutsche mit einer Ohrfeige.

Der Zickenkrieg kann beginnen. Die beiden Alpha-Frauen kämpfen sich in „Das verschwundene Kind“ durch einen ungewöhnlichen und emotional belastenden Fall um eine mysteriöse Geburt. Die verstörende Geschichte spielt vor dem Hintergrund von rund 1600 rätselhaften Fällen pro Jahr, in denen weder die Frauen selbst noch ihre Umgebung eine Schwangerschaft bemerken und sie manchmal bis zur Geburt verdrängen.

Regisseurin Franziska Buch führt sensibel durch diesen aufwühlenden Fall. Die Spannung bleibt hingegen manchmal auf der Strecke. Unter sozialtherapeutischen Gesichtspunkten macht dieser „Tatort“ vieles richtig.

Der Haken ist, dass bei aller lehrbuchhaften Trauerbewältigung das eigentliche Drama der Teenagermutter in den Hintergrund gerät. Zwischen den Verdächtigen und den empathischen Ermittlerinnen wirkt das Mädchen am Ende wie eine Statistin in ihrer eigenen Tragödie.

Erzählerisch reizvoll bleibt die Konkurrenz der beiden Kripo-Diven für weitere Handlungsstränge aber sicherlich.