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| 21:45 Uhr

Krimi-Kolumne
So still brutal

Die tote Senta Claasen (Liane Düsterhöft, l-r), Rechtsmediziner Dr. Katzmann (Matthias Brenenr), Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) und Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) in einer Szene des "Tatort - Im toten Winkel".
Die tote Senta Claasen (Liane Düsterhöft, l-r), Rechtsmediziner Dr. Katzmann (Matthias Brenenr), Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) und Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) in einer Szene des "Tatort - Im toten Winkel". FOTO: dpa / Christine Schröder
Das muss man erst mal verdauen. Der Bremen-Tatort „Im toten Winkel“ – einer der letzten des Ermittlerpaares Lürsen/Stedefreund  (Sabine Postel und Oliver Mommsen) ist ein Drama zum Thema Pflege und Sterben, bei dem der Krimi  fast nebensächlich abfällt. Birgit Rudow

Ein korrupter Gutachter, ein höchst krimineller Pflegedienst und mittendrin die Familien, die verzweifelt, überfordert und ausgeliefert sind.  Wie dieses Spiel Menschen zum Äußersten treibt, erzählen drei Geschichten.  Der Rentner  Horst Claasen, eine „Seele von Mensch“,  erstickt seine schwerkranke Frau und nimmt sich letztlich selbst das Leben. Das Geld hat nicht mehr gereicht, obwohl er sich auf die Machenschaften des  Pflegedienstes einlässt und Bares nimmt statt Hilfe. Als Oliver Lessmann bemerkt, dass die Pflegeschwestern für die Betreuung seiner Frau im Koma gar nicht ausgebildet sind, wird er arrogant abgewiesen. Als die Tochter fast um den Tod der Mutter fleht, ringt der  Betrachter endgültig nach Luft. Seit vier Jahren pflegt Akke Jansen ihre demenzkranke Mutter rund um die Uhr. Mit den Kräften längst am Ende, ist sie sogar bereit, dem Gutachter ihren Körper anzubieten, um endlich eine höhere Pflegegruppe zu bekommen. Die Kälte und Gewissenlosigkeit von Menschen, die die schwere Situation anderer schamlos ausnutzen, legt sich schwer über die eineinhalb Tatort-Stunden. Einen „richtigen“ Mord gibt es  auch noch. Doch am Ende ist es fast egal, wer den Gutachter auf dem Gewissen hat. „Im toten Winkel“ ist ein besonderer Film. Er ist still brutal. Stark Sabine Postel in ihrer inneren Zerrissenheit zwischen nüchterner Polizeiarbeit und menschlichem Mitgefühl. Schade, dass sie den Tatort an den Nagel hängt.

4c_TV Tatort ARD
4c_TV Tatort ARD FOTO: LR / Schubert, Sebastian
Birgit Rudow
Birgit Rudow FOTO: LR / Sebastian Schubert