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| 21:45 Uhr

Der Tatort aus Dresden RUNDSCHAU-Visier
Sehenswerter Sprung

 Kommissarin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) in einer Szene des aktuellen Dresdner Tatorts „Nemesis". Seit der vorherigen Folge hat die Figur eine große Ladung Selbstbewusstsein getankt.
Kommissarin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) in einer Szene des aktuellen Dresdner Tatorts „Nemesis". Seit der vorherigen Folge hat die Figur eine große Ladung Selbstbewusstsein getankt. FOTO: dpa / Daniela Incoronato
Na aber Hallo: Von der verunsicherten Polizistin, die sich nicht traut, den Abzug zu betätigen, ist nicht mehr viel übrig.

Selbstbewusst und auch ungeniert einen Finger in die Wunde steckend, marschiert Kommissarin Leo Winkler diesmal durch den Tatort.

Der Wechsel von baff zu taff kam doch sehr überraschend. Spaß, zuzusehen, wie Winkler jetzt mal klarmacht, wo der Hammer hängt, macht es trotzdem. Unterstützung und Rückendeckung gibt es von Kollegin Gorniak. Mittlerweile verstehen sich die beiden auch ohne Worte. Scheint, als seien die beiden seit ihrem letzten Fall wirklich viel zusammen trinken gewesen; und nicht nur Alkoholfreies. Die Ladys zusammen fetzen.

Dennoch: An den ersten Fall „Das Nest“ kommt der aktuelle Dresden-Tatort nicht heran. Das ist aber eben auch das Blöde, wenn man einen derartigen Top-Einstieg liefert. Da liegt die Latte plötzlich so weit oben, dass es danach verdammt schwierig wird, drüber zu steigen.

Das hat diesmal nicht geklappt, aber der Sprung war so gut, dass es sich trotzdem lohnt hinzuschauen. Dazu hat auch Britta Hammelstein in ihrer Rolle als psychisch gestörte Mutter beigetragen, die überzeugend auf allen Saiten der Gefühlsgeige von sachlich über boshaft bis hin zu verzweifelt und zutiefst traurig spielt.

Und natürlich dürfen die Reibereien der Kommissarinnen mit dem Chef nicht fehlen, der auch diesmal  zwischen „Hier wird gemacht, was ich will“ – soll heißen: „Ihr seid jetzt nett zu der Witwe“ – bis zu „Ihr wisst schon, was ihr tut“ wechselt.

Doch gerade, wenn das große Ganze stimmt, ärgern einen so blöde Fehlerlein wie: die Kommissare betreten den Tatort ohne Überzieher für die Schuhe, und auch die Witwe darf mal eben ihre Spuren auf den Tatort schleppen. Nicht ärgerlich: Die Wendemanöver der Geschichte, die am Ende einen unerwarteten Täter offenbaren.

 Lydia Schauff
Lydia Schauff FOTO: LR / Angelika Brinkop