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| 15:36 Uhr

Krimi-Kolumne
Deutsch-polnischfür Langweiler

Anja Hummel
Anja Hummel FOTO: LR / Sebastian Schubert
Zwei Mädchen, zwei Morde, zwei Täter, zwei Komissare, zwei komplett unterschiedliche Fälle. Alles mal zwei – außer der Spannungsfaktor. Für den Polizeiruf aus Brandenburg muss man schon gut ausgeschlafen haben, sonst droht Augenkoller. Von Anja Hummel

Nicht nur, weil es ziemlich viel mitzulesen gibt. Hätte es nicht die Putzfrau sein können? Die eifersüchtige Milena? Die Kinder von Leo? Oder die alte Internatsfreundin? Vater Pawel?

Nee, alles viel zu weit hergeholt. Die Festnagelung von Paulas Mörder am polnischen Küchentisch war so spektakulär wie eine Schneckenwanderung in Kiekebusch. Der Schmächtigste von allen war es, der ein Au-Pair-Mädchen killt und damit den „Fall Sikorska“ wieder auf den Schirm von Lenski und Raczek ruft. Vor 15 Jahren, da war mal was. Die Julia ist verschwunden. Familienabgründe tun sich auf. Die Mutter gehört mal kräftig durchgeschüttelt, Sohn Leo gleich mit und die Kommissare sowieso.

Vielleicht würde aber auch schon eine Tasse starker Kaffee helfen. In Minute 89 wird es für zwei Sekunden doch noch mal spannend. Die gesamte Familie – inklusive Mörder – schaut im heimeligen Garten zu, wie ein schwerer Plastesack aus dem Brunnen gekeschert wird. Beim Arbeiten-über-die-Schulter-schauen für Fortgeschrittene. Das skurrile Szenario beschert uns wenigstens einen packenden Finalakt an der deutsch-polnischen Grenze. Neben dem Gastauftritt von Gérard Depardieu in der Gerichtsmedizin versteht sich. Und trotzdem: Während der Abspann läuft, steigt ein dezentes Veräppelungsgefühl empor. Das war’s jetzt? Na gut, die Kommissare haben nichts falsch gemacht. Spannend aber leider auch nicht.

TV Polizeiruf 110
TV Polizeiruf 110 FOTO: LR / Schubert, Sebastian