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| 21:45 Uhr

Krimi-Kolumne
Was kostet die Heimat?

 Anja Hummel
Anja Hummel FOTO: LR / Sebastian Schubert
Willkommen im deutsch-polnischen Kommissariat. Przepraszam, Entschuldigung! Ich meine natürlich im polnisch-deutschen Kommissariat. Was war das nicht ein grobes Wirrwarr an Schauorten, Sprache, Mordmotiven und zwischenmenschlichem Gemetzel. Von Anja Hummel

Aber nicht mit Olga und Adam! Die beiden Kommissare sind auf zack, sind angriffslustig, sind hartnäckig – und clever. Clever genug, um dem heiligen Adel auf die Schliche zu kommen. Ihrer mörderischen Heimatliebe, ihrem (ein wenig herzzerreißenden) Enteignungstrauma. Zugegeben, bis zum zuschauerlichen Aha-Moment hat es ziemlich lange gedauert.

Das hätte Lenski verkürzen können, wenn sie im Polnischkurs besser aufgepasst hätte. Hat sie aber nicht. Dafür kann sie sich zum Glück Fotomotive gut merken. Was hat Antiquitäten-Bernd mit der Bauernfamilie am Hut? Und welche Rolle spielen der kleine dicke Mann mit neun Fingern, Friseusen-Stiefmutter Jenny und der ultrarechte Automechaniker?

Abgesehen davon, dass die Untertitel für die Second-Screen-Generation ein echter Albtraum waren, hat sich das Ausharren am Ende gelohnt. Das Motiv? Wie immer – die Liebe! Die Liebe zur Herkunft, zur Heimat, zur Tradition. Und plötzlich gibt es in den finalen Minuten noch mehr Tote und eine rührig-befremdliche Szene vor dem Geburtshaus einer 90-Jährigen Adelsoma, der ich gerne ins Ohr geflüstert hätte: „Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl.“

Und dann sind da noch die beiden Hauptkommissare, die sich (zur Belohnung?) illegal beschlagnahmtes Gras in die Birne ziehen! Hinterm Steuer! Cholera jasna! Da ist was los, im polnisch-deutschen Kommissariat!