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| 15:18 Uhr

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Schlaflos im Schwarzwald

 Ida Kretzschmar
Ida Kretzschmar FOTO: LR / Sebastian Schubert
Ziemlich verschlafen kommt dieser Sonntagabendkrimi anfangs daher. Zwei frische Kommissargesichter, die allerdings Streichhölzer zwischen den Augenlidern brauchten, damit sie nicht unentwegt zuklappen. Von Ida Kretzschmar

Dazu eine verschlafene, dunkle Gegend. Bisschen sehr hinterwäldlerisch wird dieser Schwarzwald gezeichnet. Dazu diese drei Typen, alle eines Doppelmords verdächtig, einer verstörender als der andere: Ein Jurastudent, der nah am Tatort halbnackt durch den Wald rennt. Ein Unterwäschefetischist, der seine Hunde erschießt und Fingerabdrücke in einem gestohlenen Auto hinterlässt. Grinsen ist da fehl am Platz. Nun, der Dritte scheint ein freundlicher alter Herr zu sein, der mit seiner Frau seinen Lebensabend genießt und einfach Pech wegen seines geklauten Autos hat. Aber nichts ist, wie es scheint. Der Alte entpuppt sich als rückfälliger Stalker, der seiner (Mord)lust ausgeliefert ist. Die schlaflosen Kriminalisten Franziska Tobler (Eva Löbau) und ihr Kollege Weber (Carlo Ljubek), der den erkrankten Kommissar Berg vertritt, erweisen sich letztlich doch als recht ausgeschlafene Ermittler. Auch wenn ihnen dafür Damian (Thomas Prenn) freiwillig seine DNA liefert. Diese schließt den völlig erschöpften Jurastudenten zwar als Mörder des Liebespaars aus, entwirrt aber ein anderes ungelöstes Rätsel um die Reste eines verbrannnten Menschen. Und so wird Damians Schicksal, auch wenn es am Ende gar nichts mit der Mordermittlung zu tun hat, zum eigentlichen Fall dieses Tatorts. Beklemmend, wie der Südtiroler Thomas Prenn in seiner ersten Haupt- und Titelrolle Damian als verwirrte Seele zeigt, die sich vergeblich nach Ruhe sehnt. Das Studium stresst und erschöpft ihn, Stimmen bestürmen ihn in seinem Kopf. Unverstanden von seinen eigenen Eltern stürzt ihn die Psychose immer mehr in eine Verzweiflung, der er nicht zu entrinnen vermag. Am Ende steht nicht nur seine Seele in Flammen, und wir Zuschauer sehen ohnmächtig zu. Ein aufwühlender, bitterer Tatort. Wohl dem, der ihn nicht verschlafen hat.