Es ist ein bedeutender Tatort: Schauspielerin Hannelore Elsner ist in einer ihrer letzten Rollen zu sehen. Vor einem Jahr verstarb sie an einer Krebserkrankung. Im Frankfurter Tatort spielt sie neben dem Ermittler-Duo Janneke und Brix eine pensionierte Kommissarin, die ein gehöriges Problem mit dem Loslassen hat.

Die Story: Erst wird gesoffen, dann gearbeitet. Zwei zerknautschte Kommissare ermitteln in „Die Guten und die Bösen“ einen Fall von Selbstjustiz. Der vermeintliche Mörder: ein angesehener Kollege. So viel gibt es im klassischen Sinne für Brix und Janneke auch nicht zu ermitteln: Kollege Matzerath gesteht noch am Tatort. Aus Rache soll er den Peiniger seiner Ehefrau gequält und getötet haben. Während er eine gerechte Strafe will, sind Janneke und Brix mit dem Fall überfordert. Das Wertesystem der Kommissare gerät ins Wanken und zwingt sie, ihre Polizeiarbeit zu hinterfragen.

Die Umsetzung: Der Tatort ist fesselnd, die Schauspieler überzeugend. Sehr bewegende Dialoge und Szenen, die den Zuschauer zwischen tiefen Mitleid und Unverständnis schwanken lassen. Mit der Symbolik wurde allerdings ein wenig übertrieben: kaputte Rohrleitungen, versperrte Türen, rollende Bälle, mysteriöse Gänge...

Aha-Moment: Es ist ein Tatort der eindringlichen Fragen. „Hast Du jemanden schon mal so gehasst, dass Du ihn umbringen wolltest?“, fragt der Tatverdächtige seinen Kollegen Brix. Janneke bringt er mit einer andere Frage zum Nachdenken: „Hast Du einen Menschen schon mal so geliebt, dass Du dachtest, Du wärst ein Teil von ihm?“ Schließlich beschäftigen sich die Polizisten während eines Coachings mit dem Wert ihrer Arbeit. Antworten darauf gibt es zum Schluss. Themen, die auch den Zuschauer zum Nachdenken anregen dürften. Welche Antwort habe ich auf all diese Fragen?

Haha-Moment: Die Frankfurter bieten mehrere Schmunzel-Szenen. Janneke und Brix löffeln in der Gulaschkanone und grölen besoffen zu Wolle Petry und Rammstein. Wenn die Kommissare auch viele Kompetenzen haben - singen gehört nicht dazu. Auch gut: Die Antwort vom verkaterten Brix auf die Frage, ob er getrunken hätte: „Heute noch nicht.“ Insgesamt legen die Kommissare eine gelungene Situationskomik an den Tag - vom Teilen des Hackepeterbrötchens bis zu den Streicheleinheiten für den Kaschmirpullover.

Hä-Moment: Janneke und Brix lassen sich von ihrem Kollegen ins Präsidium chauffieren, der gerade einen brutalen Mord gestanden hat. Ziemlich mutig! Olivia Dor, die das Coaching leitet, läuft verwirrt und panisch durch die Präsidium-Baustelle. Auch ein wenig realitätsfern: Ganz unbemerkt beackert eine ehemalige Polizistin in den Kellerräumen ihre alten Akten. Schön eingerichtet mit Schreibtisch und Lämpchen - und einem Deutschen Schäferhund als Kompagnon.

Fazit: Einschalten lohnt sich! Alleine, um noch einmal die Schauspielkunst von Hannelore Elsner zu bewundern. „Wer feiern kann, der kann auch arbeiten!“ - das haben Janneke und Brix in diesem Tatort bewiesen.

Rundschau-Reporterin Anja Hummel
Rundschau-Reporterin Anja Hummel
© Foto: Sven Bock