„Wäre, wäre Fahrradkette“: Dieses verhunzte Zitat von Lothar Matthäus passt zu diesem verhunzten Göttinger Tatort, der gute Ideen hatte, aber bei der Umsetzung leider eine Klischeebombe nach der anderen platzen ließ.

Da bekommt der Zuschauer vier Nazi-Protagonisten wie vom Reißbrett vorgesetzt. Typen mit gelegten Haaren, wahlweise mit Streberbrille, oder Bomberjacke, ein Blondchen, dass brav ihre Aufgabe als Frau erfüllt und schön schwanger ist. Und dann ist da das superhübsche Mädchen, dass einem so plakativ und unglaubwürdig erklärt, dass die Welt von frauenverachtenden Fremden überrannt wird, sie könnte auch über Brotaufstrich reden. Lesbisch zu sein, ist dann aber komischerweise kein Problem ...

Die Reißbrett-Nazis lassen ständig Antiausländersprüche ab, die so plump sind, als würden Sie aus einem Buch „Nazisein für Anfänger“ stammen. Klar gibt es solche Typen, aber im Tatort. Keine Ideen mehr?

Die in diesem Tatort wirklich spannende Frage danach, in wie vielen politischen hochrangigen Kreisen möglicherweise Nazis am Hebel sitzen und das System von innen aushöhlen, wird nicht verfolgt.

Und auch der Ansatz, wie soziale Medien missbraucht werden, um Informationen zu verdrehen und Stimmungen anzuheizen, ist gut, versickert aber als Randerscheinung.

Immerhin: Am Ende dieser Klischee-Kiste ist der Täter nicht der böse Ausländer, sondern der „gute Deutsche“. Aber das rettet nichts an diesem Tatort, in dem sich die beiden Kommissarinnen mal nicht ans Leder wollen. Allerdings möchte Lindholm dem Mann ihrer Kollegin gerne ans Leder. Gähn.

Der Höhepunkt des Abends ist wie Kommissarin Schmitz vor dem Pöbel-Nazi ihr gegenüber Fassung bewahrt, ihm einen „Tja-ich-sitze gerade-am-längeren-Hebel-Blick“ zuwirft und dann souverän „Abführen“ ins Mikro vor ihr haucht. Bämm!

Hä-Moment: Da sitzen die Nazis im fröhlichen Trio zusammen und werden gemeinsam befragt. Ist das wegen Personalmangels? Da befragen wir eben drei auf einen Streich. Seltsam. Auch seltsam: Dass der Freund der Getöteten mit einem Messer genau dann auf den Stalker seiner verstorbenen Freundin losgeht, als den gerade Kommissarin Lindholm in der Mache hat. Dramaturgisch ganz schwach.

Haha-Moment: Wie Kommissarin Schmitz sich von den Anti-Ausländer-Pöbeleien ihres Gegenübers in der Befragung so gar nicht aus der Fassung bringen lässt und dann souverän und cool „Abführen“ ins Mikro vor ihr sagt. Oh yeah.

Aha-Moment: Eine richtige Nazibraut bringt brav Kinder auf die Welt und steht den Männern zur seit im Kampf gegen die Umvolkung. Aber lesbisch sein und Karriere machen ist auch okay. Aha, oder vielmehr: Wähäh??? Oder Ah-Au.

Bäh-Moment: Der ganze Tatort ist ganz schön bäh. Schade. Oberflächlicher und unkreativer hätte man so ein Thema nicht umsetzen können.