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Krimi-Kolumne: Klirrend kaltes Psychospiel

Szene am Tatort. Die Opfer werden von einem Serienkiller per Auto mehrfach überfahren.
Szene am Tatort. Die Opfer werden von einem Serienkiller per Auto mehrfach überfahren. FOTO: ARD
Über die Landstraßen bei Bremen rast ein Auto ohne Nummernschild, lautlos, ein Mon-strum von Pkw, eine Waffe aus Gummi, Stahl und Elektronik. Still schleicht es sich an seine Opfer heran, um sie dann mit martialischem Röhren mehrmals zu überfahren und aufzuschlitzen. Rüdiger Hofmann

Brutale Bilder zum Rotwein auf der Couch. Die Tatort-Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) bekommen es nicht mit einem typischen Kriminalfall, sondern mit einem Serienkiller und einer Mordmaschine auf vier Rädern zu tun. Ein Auto wird in den Mittelpunkt der Handlung gestellt, als Welt- und Wohn-, als Religions- und Sexersatz. Das muss zur Erklärung der Motivlage in einem Krimi, der nichts für Hobbydetektive ist, reichen.

Und macht den Tatort zugleich so außergewöhnlich, zumal er mit einer Familie als Hauptdarsteller minimalistisch auskommt. Besonders in den männlichen Hauptrollen ist er stark besetzt. Moritz Führmann spielt den depressiven Killer Kristian Friedland überzeugend. Ebenso eindringlich ist das Spiel von Rainer Bock als Vater Jost Friedland, der seinen Sohn mit rüden Kommandos traktiert. Es entspinnt sich ein klirrend kaltes Psychospiel innerhalb der Familie. Etwas unlogisch im Handlungsstrang ist das Verhalten des Sohnes: Der ansonsten nicht besonders an seinen Mitmenschen interessierte junge Mann kümmert sich rührend um seine Mutter und Frau, beinamputiert beziehungsweise an den Rollstuhl gefesselt.

Das alles ist tragisch und berührend, wie auch die Musik. "Nachtsicht" steigt mit einer faszinierenden Autowasch-Szene ein. Dazu das Lied "Ich öffne mich" der Hamburger Indie-Rock-Poeten Tocotronic. Selten passte ein Song so sehr zum Thema eines Films.