ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:41 Uhr

Krimi-Kolumne: Fencheltee für alle

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Peter Becker (Peter Espeloer) bei der Premiere des Amateurtheaters Babbeldasch. Der Tatort dazu kommt ohne richtiges Drehbuch aus. In den Medien wird er heftig zerrissen.
Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Peter Becker (Peter Espeloer) bei der Premiere des Amateurtheaters Babbeldasch. Der Tatort dazu kommt ohne richtiges Drehbuch aus. In den Medien wird er heftig zerrissen. FOTO: Martin Furch (SWR)
Cottbus. Mein Gott, war das ein unverständliches Gebabbel! Wer auf Mundart steht, mag sich ja daran freuen. Aber ich habe über lange Strecken einfach nur Bahnhof verstanden. Ida Kretzschmar

Babbeldasch heißt das Ludwigshafener Mundarttheater, in dem die Leidenschaften hochschlagen. Weiß man ja, der Name setzt Zeichen. Ein Ort, an dem sogar die toughe Lena Odenthal zu Hirngespinsten neigt. Vor allem, nachdem Hauptdarstellerin und Theaterleiterin Sophie Fetter während der Vorstellung nach einem allergischen Schock das Zeitliche segnet. Da erscheint ihr die Dame jede Nacht im Traum. Was soll sie sein? Eine Art Seelengefährtin, Antreiberin oder gar eine verkannte Miss Marple? Sie scheint jedenfalls an der Hauptkommissarin einen Narren gefressen zu haben, soweit das im Jenseits möglich ist, wie übrigens auch ihre ziemlich verstörte Tochter, die dem Theater neues Leben einhauchen will. Da kommt Ulrike Folkert alias Lena Odenthal mit ihren schauspielerischen Allüren gerade recht.

Dass sie sich aber undercover in die illustre Truppe, in der jeder zum Verdächtigen wird, einschleicht, wirkt schon etwas merkwürdig. Glaubwürdiger ist die zaghafte Annäherung an ihre Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) und deren muntere Zwillinge. Wenn da die Nerven blank liegen, hilft nur noch Fencheltee. "Kriminaloperette ohne Gesang" hat der junge Filmemacher Axel Ranisch, der schon Preisverdächtiges zustande brachte, seine erste Inszenierung für die Reihe "Tatort" genannt, die er mit Autor Sönke Andresen unter Einbeziehung von Amateurdarstellern erarbeitete. Leichte Muse also, indem die Filmkunst ein wenig toben darf. Ein handfester Krimi fühlt sich anders an. Meine Empfehlung: Wie wäre es mit Fencheltee für alle?