Die Ermittlungen zu einem Mordfall führen die Kommissare Ballauf und Schenk in „Gefangen“ in das Umfeld einer psychiatrischen Klinik. Der Leiter der Einrichtung wird in seinem Haus erschossen aufgefunden. Zuvor hatte eine Patientin dem Ermordeten mehrfach vorgeworfen, von ihm mit einer falschen Diagnose in der geschlossenen Abteilung festgehalten zu werden. Doch es gibt mehr als einen Gefangen in diesem Tatort. Auch Ballauf wird gefangen genommen, und zwar von den Bildern in seinem Kopf. Er hatte kürzlich eine Kollegin erschossen.
Die Umsetzung: Mit Nahaufnahmen von Ballauf, emotionalen Rückblenden und verstörender Musik werden dessen eigenen psychischen Probleme gekonnt in Szene gesetzt. Dafür nimmt sich der Tatort zu Recht ausreichend Zeit. Doch damit braucht „Gefangen“ auch eine Weile, um in Fahrt zu kommen.
Aha-Moment: Was heißt mental gesund? So richtig „normal“ tickt im Tatort niemand. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Damit zeigt der Tatort, dass man Menschen mit geistigen Problemen nicht stigmatisieren sollte.
Haha-Moment: Der Kölner Tatort hält sonst immer ein paar Lacher parat. Meist gehen die Gags aufs Konto von Kommissar Freddy Schenk. Doch Humor will in „Gefangen“ nicht so recht aufkommen. Das Trauma von Ballauf wiegt zu schwer. Witz wäre hier auch deplatziert.
Hä-Moment: Ist es wirklich so einfach einen mental gesundeten Menschen in einer psychischen Klinik festzuhalten? So recht will ich das nicht glauben. Zumal so unnötig Zweifel und Argwohn gegenüber der Zunft der Psychologen und Psychotherapeuten geschürt werden.
Bäh-Moment: Bäh im Sinne von bedrückend ist die Art und Weise wie Ballauf mit seinem Trauma zu kämpfen hat. Das geht ziemlich an die Nieren und ist sehr gut gespielt von Klaus J. Behrendt.
Fazit: Ich gebe zu, Ballauf und Schenk gehören nicht zu meinen Lieblingen. Aber der Tatort tanzt ein bisschen aus der Reihe der üblichen Kölner Tatort-Folgen. „Gefangen“ tut beim Zuschauen ein bisschen weh, löst Unbehagen aus. Selten ist ein Tatort so emotional.