Och neeeeeiiiiiin. Ich hatte wirklich gehofft, dass Til Schweiger es einmal ohne schafft: Aber nein, wo Til Schweiger drin ist, muss mindestens ein Schweiger-Töchterchen dabei sein. Man muss eben nur den richtigen Vater haben.

Abgesehen von der Unbegeisterung darüber: Der ganze Tschiller-Tatort sorgt eher dafür, dass einem die Augen jucken und man denkt: „Stricken wär auch ganz nett.“

Und da war er tot

Die größte Erregung beim Zusehen ereignet sich zu Beginn, als ich vor Entsetzen fast vom Sofa kippe, weil Ermittler Yalcin Gümer offenbar im Privat­auto mal fröhlich zwei Kronzeugen durch die Gegend kutschiert als ging es zum Biertrinken in die Kneipe.

Da hat man höchstens als Kronkorken Überlebenschancen und entsprechend wird einer der Zeugen abgeknallt. Den Übriggebliebenen schafft Gümer auf eine Nordseeinsel zu Kommissar Tschiller, der dort auf ein Disziplinarverfahren wartet, nachdem seine Frau bei einem Einsatz erschossen wurde. Und so therapiert Tschiller jetzt traumatisierte Kinder, das ist Action genug.

Als der Kronzeuge abhauen will, hüpft Tschiller quasi hinterher, statt ihn zu überrennen und ins Watt zu werfen. Später reicht auch ein Dudu-mäßiges „Spinnst du?!“. Nä, dann doch lieber den „Bumm, Peng, Klatsch“-Tschiller.

Alles andere als witzig

Extrem nervig ist auch Fahri Yardim als Hauptkommissar Yalcin Gümer, der vor sich hinnuschelt und auf völlig übertrieben schnoddrig-lässige Art vermeintlich witzige Kommentare hinrotzt. Nicht lustig!

Dass es statt um Drogen um Kinderpornografie geht, wird von ihm mit einem qualifizierten „Ach du scheiße“ kommentiert. Das Thema wird auf den Tisch geknallt und vielmehr passiert dann auch nicht.

Die einzig wirklich Coole in diesem Tatort ist LKA-Ermittlerin Robin Pien. Die hat einen Plan, die ertappt den Verfolger, die weiß, was Sache ist. Schade, dass ihre Figur in der Dramaturgie so beiseite gedrückt wird. Aber, sie hätte wohl auch nicht mehr retten können. Aber sie ist ein Lichtschein.

Dem ganzen Tatort fehlt es an Tiefe, er ist flach wie der Wasserstand der Nordsee bei Ebbe.

Lydia Schauff
Lydia Schauff
© Foto: Angelika Brinkop