Aber natürlich wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Zumal es Katrin Sass gar nicht so eilig hat, das Pangasiusfilet auf Orangenspinat mit Reis anzurichten. "Kochen können Sie, ich rede lieber", gibt Sie dem Intendanten Bescheid, lange bevor Sie in der Hitze des Koch-Gefechts mit reinem Wasser Brüderschaft trinken und sie nebenbei bemerkt, dass sie seit zehn Jahren "trocken" ist. Auch ohne Alkohol gestaltet sich der Abend zu einer amüsanten und hitzigen Angelegenheit, bei der der Intendant wahre Kopfstände für Pangasius & Co. vollbringt. Zuvor aber erzählt Katrin Sass, wie sie als Tochter einer Schauspielerin in Schwerin schon früh Theaterluft aufgesogen und kess verbreitet habe: "Ich will Schlauspielerin werden!" Bei der Bewerbung an der Schauspielschule in Berlin trat sie klassisch mit Julia an. In einer Westcordhose! Da blieb nur Rostock. Sie war noch Studentin, als sie für eine schwangere Kollegin am Schweriner Schauspielhaus einsprang. In der Vorstellung saß der Regisseur Heiner Carow, der sie gleich für die weibliche Hauptrolle in seinen Film "Bis dass der Tod euch scheidet" engagierte.An der Videowand sehen die Zuschauer im voll besetzten Theatersaal Ausschnitte aus dem beklemmenden Ehedrama, erinnern sich an ihre Rollen im ,,Tatort" und in dem Defa-Film "Bürgschaft für ein Jahr". Für Letztere holte sie sich 1981 einen Silbernen Bären in Westberlin ab. Die 52-Jährige aber singt vor allem ein Hohelied aufs Theater. Was in Senftenberg Großes entstanden ist, erinnere sie an die Zeit in Halle bei Peter Sodann.Beim Kochen schlägt sie dann einen raueren Ton an, muss Latchinian zwischen dem Schlitzen der Vanilleschoten flitzen wie beim Militär. Dennoch gelingt es ihm, eine kleine Vorführung einzuschieben, wie einst der Schauspieler Klaus Piontek (1935 bis 1998) Texte lernte: Latchinian legt die Kochanleitung auf den Boden, latscht drüber, kommentiert: "Er geht den Text erst- mal durch." Dann "prägt er ihn sich ein", der Intendant steht Kopf, um den Text "schließlich hinter sich zu bringen". Das Blatt fliegt über die Schulter. Nebenbei klärt Katrin Sass auf, dass sie einmal in der Nähe von Bronkow in einem wunderschönen Haus gelebt habe, das sie nach sieben Jahren verlassen wollte. Und da habe eines Tages Sewan Latchinian vor der Tür gestanden, um sich das Haus anzusehen. Es habe ihm gefallen. Als er das Bad in Schwarz sah, sei er wieder gegangen. So entstehen Gerüchte. Was Mrs. Peachum betrifft: Zuschauer aus der ersten Reihe haben die Sass schon an der Seite von Tote-Hosen-Sänger Campino im Berliner Admiralspalast in dieser Rolle gesehen und sie für gut befunden. Wie hinreißend Katrin Sass die Rolle der Mutter in "Good Bye, Lenin!" spielte, haben alle Publikumsreihen noch im Gedächtnis. "Eine schöne Idee, die DDR wieder aufleben zu lassen", sagt sie, für die das Wendejahr 89 das beste in diesem Land war. "Wir haben um unser Leben gespielt", schwärmt sie von der Arbeit an "Good Bye Lenin!", während sie erschrocken feststellt, dass sie vergessen habe, den Fisch zu mehlieren. Und auch wenn an diesem Abend noch viel gelacht und gesungen wird. Das Wort "lecker" kommt ihr nicht über die Lippen. Es verstärkt sich der Eindruck, dass sie sich danach sehnt, "Good bye, Pangasius! zu sagen.