Fabrik am Mittwochabend war in provokativer Absicht gewählt - viele Lausitzer Künstler und Kreative empfinden sich beim Klingenputzen auf der Suche nach Sponsoren als Bittsteller, nicht als Gönner. Das will die Cottbuser Opernsängerin Anne Hofmann, die den Gedankenaustausch initiiert hatte, ändern. Das Verhältnis zwischen Kultur und Wirtschaft ist ihr zufolge nicht nur ein gegenseitiges Geben und Nehmen, etwa in dem Sinne, dass ein Manager, der Kunst fördert, den guten Ruf seines Unternehmens stützt. Vielmehr sei das Kulturangebot als „weicher Standortfaktor“ mitentscheidend für den gesamtwirtschaftlichen Erfolg der Region.
Ein kritischer Zuhörer allerdings brachte das Dilemma der Formel „Kultur hilft Wirtschaft“ auf den Punkt: Die Rendite des Kapitals, das ein Unternehmen in Kultur steckt, Ökonomen sprechen vom „return of investment“ , lässt sich im Gegensatz zu den Ergebnissen anderer Investitionen kaum messen. Könnte ein Firmenchef kalkulieren, wie viele Neukunden er durch Finanzierung einer Theaterinszenierung gewinnt, fielen ihm Sponsoring-Entscheidungen sicherlich leichter.
Leider lieferten die Redner kaum argumentative Munition für Kulturschaffende, um mit Wirtschaftsleuten auf Augenhöhe zu verhandeln. Meist blieb es bei schwammigen Ausführungen über die - das war Konsens - große Bedeutung der Kultur. Dieter Thiel von der Kunst.Fabrik konnte sich offenbar nicht entscheiden, ob er für sein eigenes Projekt werben oder über den Menschen als Kulturwesen an und für sich philosophieren wollte. Der Vortrag von Vattenfall-Vorstand Hermann Borghorst blieb die versprochenen Einsichten zum Thema „Kultur als betriebswirtschaftlicher Faktor“ schuldig und erschöpfte sich in unternehmerischer Selbstdarstellung als „Partner der Region“ .
Wenn - was viel zu selten vorkam - doch mal jemand Tacheles redete und den Wert von Kultur in Zahlen und Fakten ausdrückte, horchten die Zuhörer erstaunt auf. Etwa als Thomas Strittmater vom Bonner Institut für Kulturpolitik enthüllte, dass die Kultur- inklusive der Softwareindustrie nach dem Kreditwesen und der Automobilbranche den größten Anteil am deutschen Bruttosozialprodukt hat - vor der Chemie und der Energiewirtschaft. Oder als Tagungsschirmherr Hinrich Enderlein von der Friedrich-Naumann-Stiftung klarstellte, dass die Kulturwirtschaft zwar zu neunzig Prozent am „Tropf des Staates“ hänge, aber diese Subventionen nur einen Bruchteil dessen ausmachten, was der Steuerzahler für Wirtschaft allgemein ausgibt.
Nachdem die Prominenz, darunter Kulturministerin Johanna Wanka und der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski, verschwunden war, dünnten die Zuhörerreihen sichtlich aus. Die meisten Anwesenden zeigten sich mehr am Plaudern in der Pause als an Vorträgen und Diskussionen interessiert. Das Kulturleben ist eine Kontaktbörse: Diese Lektion der Tagung haben die Lausitzer längst begriffen.