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| 18:05 Uhr

Zuse-Ausstellung in Schwarzheide
Vom Erfinder des Computers zum bestaunenswerten Künstler

Ein Besucher betrachtet das Bild „Bereit zur Abfahrt“ /1963/ Öl auf Leinwand.
Ein Besucher betrachtet das Bild „Bereit zur Abfahrt“ /1963/ Öl auf Leinwand. FOTO: Jürgen Weser
Schwarzheide. Die BASF Schwarzheide zeigt Konrad Zuse mit einer umfassenden Werkschau. Von Jürgen Weser

Ihre diesjährige Ausstellungsreihe „The Art of Transformation – Die Kunst der Veränderung“ setzt die BASF Schwarzheide mit „Ausgerechnet Zuse“ fort. In Kooperation mit dem ZCOM Zuse-Computer-Museum Hoyerswerda stellt das Chemieunternehmen den Erfinder Konrad Zuse in einer umfassenden Werkschau mit Ölbildern, Zeichnungen und Drucken vor allem als Künstler vor. Zur Vernissage konnte Colin von Ettinghausen von der Geschäftsführung 230 Gäste begrüßen.

Konrad Zuse – Künstler, Maler, Zeichner? Diese Frage hatte sich wohl bei vielen Besuchern der Vernissage im Vorfeld aufgetan? Ja man kennt ihn als Entwickler der ersten vollautomatischen, programmgesteuerten und frei programmierbaren Rechenanlage: also als Pionier der heutigen Computertechnologie mit weiteren zahlreichen Erfindungen. Die Ausstellung im Kulturhaus Schwarzheide öffnet nun die Augen für den Künstler.

Schnell ist die Bezeichnung Hobbykünstler vom Tisch beim Gang entlang der 200 Ölbilder, Zeichnungen und Drucke. Möglich gemacht haben das die umfangreiche Privatsammlung des österreichischen Programmierers und Systemanalytikers Dr. Friedrich Genser und Andrea Prittmann als Leiterin des ZCOM Zuse-Computer-Museums in Hoyerswerda. Genser stellte seine umfangreiche Privatsammlung von Bildern Zuses für die Werkschau in Schwarzheide zur Verfügung und Prittmann hat kenntnisreich Konrad Zuses Faible für die darstellende Kunst und seine Entwicklung zum Künstler neben seiner wissenschaftlichen Erfinderlaufbahn dargestellt.  

 Zwar ist er Autodidakt, eignet sich selbst verschiedene Techniken an und probiert Maltechniken experimentierfreudig aus. Die Ergebnisse auf den Werken in der BASF-Ausstellung belegen, über den Zustand des Amateurs wächst Zuse schnell hinaus, er entwickelt eine wiedererkennbare und eindeutig ihm zuzuordnende Bildsprache. Die von ihm häufig dargestellten Architektur-, Stadt- und Landschaftsansichten zeigen das exemplarisch.

Sind die ersten architektonisch inszenierten Aquarelle des sehr jungen Zuse Ende der 20er-Jahre noch recht statisch in der Bildsprache, so strahlen die Städteansichten der 60er-Jahre Dynamik und Bewegtheit aus, der Visionär Konrad Zuse lebt sich in den Farbkreidebildern aus. Wind und Eruptionen mit farblich-expressiver Intensität gemalt, machen Gedanken und Gefühle Zuses ablesbar. Hier entwickeln sich der Künstler und der Erfinder im Gleichklang, wenn auch mit unterschiedlichen Schaffensschwerpunkten.

Das Ölbild „Die blaue Stadt“ von 1985 adaptiert Großstadt der Gegenwart von 1985 in die Zukunft, die unsere heutige Gegenwart ist. Die Hochhausvision „Menschenleer“ von 1986 erinnern an Angstvisionen in Franz Kafkas Erzählungen. Andere Landschaften wie „Bereit zur Abfahrt“ auf See oder „Wilder Westen“ (beides Ölarbeiten auf Leinwand von1963) als geheimnisvolle Landschaft zeigen einen impressionistischen Malgestus.

Der Mensch ist auf Zuses Bildern zumeist eine Leerstelle. Es gibt Ausnahmen wie die weiblichen Akte in erotischer Pose und seine Porträtzeichnungen von Computer-Pionieren. Als Zeichner mit leichter Hand meldet sich Konrad Zuse häufig auf Grußkarten und akribisch naturalistisch und detailgetreu mit den Holzschnitten aus den Fluchtjahren 1945/46 mit Motiven aus dem Allgäu. Auch der Werbegestalter für Ford aus Studententagen fehlt nicht.  

Ingenieur oder Maler, Erfinder oder Künstler? Konrad Zuse ist beides, belegt die Ausstellung, die den Fokus auf den bislang vielfach unbekannten Künstler richtet, aber ihn auch als Erfinder und Geschäftsmann zeigt.