geht schon lange nicht mehr um so altmodische Kategorien wie Schönheit und Harmonie. Es geht nicht um die beste Stimme, originellste Choreografie und um begeisternde Ausstrahlung. Sonst hätte im vergangenen Jahr nicht die finnische Monster-Rockband „Lordi“ mit Gebrüll und Alte-Oma-Erschreckungsmimik den größten europäischen Gesangswettbewerb gewonnen. Eine Zeitung verglich sie danach mit „Rieseneidechsen nach einem Atomkrieg“ .
Wir glauben, dass es noch einmal wie 1982 sein wird, als ein saarländisches Mädchen mit dem Namen Nicole (schon die Mitglieder der Ostberliner Singegruppe Oktoberklub waren nur mit Vornamen bekannt), sich mitten in das Herz aller Europäer hineingesungen hat.
Während die gereifte Zuschauerin, die sich vielleicht an die Swing-Zeit ihrer Jugend erinnert, zum Finale im Mai die Nummer ihres deutschen Favoriten wieder wählt, hat sich die Handy- und SMS-geübte europäische Jugend ihren Kandidaten zielgerichtet herausgepickt und mehrfach „durchgevotet“ . Und der wird in Helsinki so verrückt sein, wie es nur geht. Monster waren schon, albernes Gehüpfe mit kurzen Röckchen an der Peep-Show-Grenze auch. Aber ein Trost bleibt. Regel Nummer 1 muss eingehalten werden: Der Song darf nicht länger als drei Minuten dauern.