ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:42 Uhr

Kollektive Schuld

Arme Ossis gegen reiche Wessis. Da ist eine einfache Geschichte, da sind die Rollen klar verteilt. Sibylle Peine

Aber arme Ossis gegen vertriebene Juden. Das ist schon vertrackter. Denn wer ist hier Opfer, wer ist Nutznießer? Beide Seiten sehen sich als Leidtragende: die jüdische Erbengemeinschaft, deren Väter einst unter Zwang verkaufen mussten, und die Siedlungsbewohner, die seit Langem hier wohnen und sich keines Unrechts bewusst sind. Eine brisante Konstellation, die den kleinen Ort Warenberg in einen Ausnahmezustand versetzt.

"Das ist eine Geschichte", Kathrin Gerlofs neuer Roman, spielt in der turbulenten Nachwendezeit. Es sind die Jahre, in denen Alteigentümer auftauchten und ihren Besitz zurückforderten, Erben vertriebener Juden ihr Recht einklagten. Nicht selten entstand dabei tatsächlich neues Unrecht und eine zähe juristische Hängepartie. Die Erzählung mäandert durch die Jahrzehnte, sie springt von einer Biografie zur nächsten, schildert gleichermaßen Vaterkomplexe, Waschzwänge wie kollektive Schuld. Das ist zu weit angelegt, da wird zu viel hineingepackt. Weniger wäre mehr gewesen.

Kathrin Gerlof: Das ist eine Geschichte. Aufbau Verlag, 396 Seiten, 19,99 Euro.