Nachdem Johnny Cash 1958 ein Konzert im berüchtigten kalifornischen Gefängnis San Quentin gegeben hatte, war beispielsweise der Insasse Merle Haggard so beeindruckt, dass er im Anschluss an seine Haftstrafe selber eine Karriere als Country-Sänger startete. Als Cash 1969 noch einmal dort auftrat und das vom Fernsehen übertragen wurde, schoss das dazugehörige Album hernach auf Platz eins der Charts. 2003 drehte auch die Band Metallica an dem legendären Ort ein Video. Das Album erwies sich ebenfalls als Verkaufshit.
Die australische Metalband Heifer tourt in diesen Tagen durch deutsche Knäste, um ihr neues Album zu promoten. Ausdrücklich betonen die Musiker, dass sie keine billige Werbenummer beabsichtigen, sondern mit ihren rund 90-minütigen Auftritten den aus der Gesellschaft Ausgeschlossenen ein kleines Stück Teilnahme am normalen Leben ermöglichen wollen, in diesem Fall mit Live-Rockkultur. In Berlin, wo an Gefängnissen und vermutlich konzertinteressierten Insassen kein Mangel herrscht, konnten die Australier allerdings aus terminlichen Gründen keinen Knast-Gig organisieren. Stattdessen spielen sie heute in einem kleinen Club draußen, bevor sie zum nächsten Auftritt in eine geschlossene Anstalt nach Stuttgart-Stammheim reisen.
Für alle anderen Nichtgefangenen veranstaltet die Band demnächst eine CD-Release-Party in der virtuellen Welt von Second Life. Die ist ja ebenfalls eine Art geschlossene Anstalt, nur dass deren Bewohner sich freiwillig aus dem realen Leben heraus und in diesen abgeschotteten Ort hinein begeben. Auf Musiker hat der - ähnlich wie die realen Gefängnisse - offenbar einen besonderen Reiz. Als die Band Juli im April ihre neue Single in Berlin vorstellte, wurde das Event in "Second Life" übertragen. Nicht verfolgen konnten das allerdings ihre Fans im Knast. Falls die nette Popband Juli dort welche hat.