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| 17:42 Uhr

Klosterkonzerte mit Königin und Prinzessin

Anita Engelmann und Karl Trepsdorf mit dem ersten, noch selbst gebastelten Plakat für die Klostermusiken in Doberlug-Kirchhain.
Anita Engelmann und Karl Trepsdorf mit dem ersten, noch selbst gebastelten Plakat für die Klostermusiken in Doberlug-Kirchhain. FOTO: Jürgen Weser/jgw1
Doberlug-Kirchhain. Es gibt sie überall in der Region, die Kultur-Macher, die mit ihrem Engagement dafür sorgen, das Leben lebenswerter zu machen. So auch in der Stadt Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster), wo Anita Engelmann und Karl Trepsdorf seit Jahrzehnten für unvergessliche Klosterkonzerte sorgen. Ida Kretzschmar

Die ersten Plakate wurden noch mit der Hand gemalt. Das war vor fast 40 Jahren. "2018 wird ausgiebig gefeiert", beteuert Karl Trepsdorf, der an der Wiege der "Doberluger Klostermusiken" stand. Der damalige Bauleiter hatte zu DDR-Zeiten die kulturellen Angebote in den Urlaubsorten zwischen Ostsee und Erzgebirge schätzen gelernt, und so kam ihm der Gedanke: "Das wäre doch auch etwas für unsere Stadt mit der altehrwürdigen Klosterkirche." Karl Trepsdorf fand in der evangelischen Kirche schnell Verbündete. "Pfarrer und Kantor, nicht zu vergessen der Chor und die Kantoreigesellschaft, die seit 1696 das Musizieren im Ort fördert", erzählt er.

Und so begann Wirklichkeit zu werden, was kaum jemand für möglich hielt. Hatte doch die Nationale Volksarmee die Reste des ehemaligen Zisterzienserklosters Doberlug (*1165) samt Schloss in eine Kaserne verwandelt, eingemauert und streng bewacht.

Die Klosterkirche in der Anlage aber war frei zugänglich. Doch auch wenn es in der Stadt einst eines der bedeutendsten Zisterzienserklöster weit und breit gab, ein Urlaubermagnet war sie 1978 nicht. Umso überraschter war Karl Trepsdorf, wie schon die ersten Orgelvespern die Stadt aus dem Dornröschenschlaf rissen. "Es war ja auch von Anfang an gute Musik", erinnert sich der 67-Jährige. Das sprach sich im gesamten Kirchenkreis herum - und darüber hinaus. Hochkarätige Organisten gaben den Auftakt, darunter der Brandenburger Domorganist Matthias Passauer sowie der ehemalige Finsterwalder Kantor Dietrich Schönherr, ein Sohn des Bischofs, sowie natürlich Kantor Horst Jaeger aus Doberlug-Kirchhain.

Anita Engelmann stieg 1988 in die Kantorei ein. "So singe ich dort fast 30 Jahre und organisiere an der Seite von Karl Trepsdorf die Klostermusiken viele Jahre mit", staunt die 45-jährige Drogistin. Musste man sich in DDR-Zeiten mit Papiermangel herumschlagen, ficht sie heute so manchen Papierkrieg aus, um an Fördermittel heranzukommen. Aber es gelingt ihr gut: "Nicht nur die Spendenbereitschaft der Kantoreigesellschaft ist hoch. Es gibt Zuschüsse von Stadt und Land sowie von Sponsoren, allen voran die Ostdeutsche Sparkassenstiftung", ist sie zuversichtlich, dass die Klostermusiken auch künftig für alle erschwinglich bleiben. So werden viele allein auf Spendenbasis veranstaltet.

Ausnahmen sind Publikumsmagneten wie die Regensburger Domspatzen und die Wiener Sängerknaben.

So strahlen die Klostermusiken inzwischen weit über Doberlug hinaus. Sie finden in den umliegenden Orten ihren Widerklang und sind längst nicht mehr nur Orgelkonzerte. Wobei auch kooperiert wird mit anderen Veranstaltungen wie "Mixtur im Bass".

"Die große Sauer-Orgel von 1874 in der Klosterkirche St. Marien, ein Frühwerk des berühmten Orgelbauers, ist unsere unbestrittene ,Königin der Instrumente', wie Albert Schweitzer die Orgel bezeichnet hat", sagt Karl Trepsdorf. Und fügt verschmitzt hinzu: "Als 1973 die Winterkirche erneuert wurde, haben wir uns eine weitere Orgel von Voigts in Bad Liebenwerda bauen lassen. Wir nennen sie Prinzessin. 1997 kam noch die Chororgel dazu, die Tochter der Prinzessin." Bei Wandelkonzerten kann man sie alle drei erleben. "Die Orgel lebt vom Spiel", sagt Karl Trepsdorf. Und er selbst ist dabei auch schon in so manches Spielchen hereingeraten: "Während eines Konzertes ist einmal eine Pedalfeder gebrochen. Der Organist spielte weiter und ich kniete, um quasi mit der Hand den Ton hochzuheben. So wurde ich zur lebenden Pedalfeder", schmunzelt das Mitglied des Gemeindekirchenrates, das inzwischen bei vielen seine Klostermusik-Idee in guten Händen weiß und sich allmählich ein wenig zurückziehen kann.

"Ja, bei uns wird Kultur tatsächlich handgemacht: Vom Plakat bis zur Musik", knüpft Anita Engelmann an die Episode an. "Und manchmal sogar fußgemacht", erinnert sie daran, wie bei einem Orgelkonzert zwei Männer beim Bälgetreten so ins Schwitzen gerieten, dass sie nur ein kühles Bierchen retten konnte. Kultur-Macherin ist sie selbst durch und durch. Einmal hat sie im Überschwang sogar schon einmal einen Konzerttermin auf den Geburtstag einer ihrer Töchter gelegt. Bloß gut, dass die beiden ihre Leidenschaft teilen. Die Mädchen singen selbst mit in der Kantorei. Unlängst hat ihr Schwager Steffen Engelmann als Nachfolger von Trepsdorf den Vorsitz des Chors der Kantorei übernommen. "Ich bin sehr stolz, dass die Klostermusiken schon so viele Jahre erklingen. Und wenn die Menschen die Musik an diesem wunderbaren Ort genießen und ein wenig zur Ruhe kommen in dieser hektischen Zeit, freue ich mich und weiß wieder, warum ich mit so viel Liebe und Enthusiasmus bei der Sache bin", sagt Anita Engelmann, die auch in den Gemeindekirchenrat gewählt wurde. Und so fühlt sie wie Karl Trepsdorf, wenn er die Motivation für sein jahrzehntelanges Ehrenamt mit Johann Sebastian Bach teilt. Der Komponist unterschrieb alle seine Werke mit "Soli deo gloria - Gott allein die Ehre."

Zum Thema:
15 Veranstaltungen werden in diesem Jahr in der Klosterkirche Doberlug und in den umliegenden Dorfkirchen organisiert, wobei zehn davon rein musikalischer Natur sind. Das sind die nächsten Höhepunkte: 31. August: Nikolaus Thieme - der letzte Abt von Dobrilugk. Das musikalische Schauspiel aus der Geschichte des Klosters gestaltet die Kantorei Doberlug mit Laienschauspielern, dem Musizierkreis "Laudate" und gregorianischen Gesängen. 10. September: Kleine Orgelfahrt durch die Klosterkirchengemeinden Friedersdorf, Rückersdorf, Lindena mit Abschlusskonzert in Doberlug. 18. September: Eine feste Burg ist unser Gott - einem Lutherlied auf der Spur.21. September: Viva la Reformation - Kirchenkabarett. Zum Jubiläumsjahr wird die bundesweite CSU (Christlich Satirische Union) verstärkt durch die Wartburg Brothers.

Das Plakatmotiv zeigt Akteure des musikalischen Schauspiels am 31. August.
Das Plakatmotiv zeigt Akteure des musikalischen Schauspiels am 31. August. FOTO: pr