"Brass bedeutet Messing", erklärt Robert Hanspach und stört sich ein wenig an dem zunehmenden Missbrauch des urig anmutenden Begriffs der "Brass Band" in der Namensfindung einiger "normaler" Blaskapellen. Denn eigentlich versammelt ein Ensemble, das diesen Namen verdient, nur Instrumente aus der weiß-gelb bis bräunlich-rot schimmernden Kupferlegierung. So gehören in eine echte Brass-Besetzung eher ungewöhnliche Instrumente wie Cornets, Baritone und Euphonien. Aber auch die altbekannte Posaune, das Flügelhorn und die tiefen Tuben finden sich in der spezifischen Sitzordnung einer Brass Band. Und immerhin vier Schlagwerker sorgen für den vollen Sound der Brass Band Sachssen, in der Robert Hanspach seit vier Jahren das Althorn spielt.

Kein leichter Einstieg

Ganz einfach war der Einstieg in das Ensemble für den gelernten Waldhorn-Bläser nicht. Während das herkömmliche Horn mit der linken Hand bedient wird, spielt beim Althorn die rechte Hand die Melodie. Außerdem macht die Tonerzeugung mittels Pumpventil das Musizieren schwieriger, aber auch variabler. So sind im Zusammenspiel wie auch in den häufigen solistischen Sequenzen Klangmomente möglich, die Robert Hanspach ein "Gänsehautgefühl" bereiten. Der 27-Jährige sucht diese emotionalen Erlebnisse ebenso wie die technische Herausforderung, die hinter diesen schillernden Momenten steht. Denn die 30 Bandkollegen der Brass Band Sachsen möchten erklärtermaßen Musik auf höchstem Niveau machen. Die aus diesem Anspruch resultierende Aussicht auf internationalen Erfolg spielt für das Ensemble natürlich auch eine wesentliche Rolle. Denn die Gründungsmitglieder hatten das hehre Ziel, irgendwann einmal bei europäischen Meisterschaften anzutreten. 2013 gewann das Ensemble auf Anhieb die offene Klasse der German-Open-BDMV im Chemnitzer Schauspielhaus. Seit Mai letzten Jahres halten die Musiker auch den Deutschen Meistertitel dieser Kategorie in den Händen.

Ein solcher Erfolg bleibt Verbänden wie der European Brass Band Assoziation (EBBA) nicht verborgen. Mit einer Einladung der EBBA zu den 38. European Brass Band Championships wurde dem sächsischen Ausnahmeensemble die Ehre zuteil, in der "Challenge Section" nicht nur Sachsen, sondern ganz Deutschland zu vertreten. Damit ist die Brass Band Sachsen eine von bisher drei deutschen Brass Bands, die in den vergangenen 37 Jahren überhaupt eine solche Einladung erhalten haben.

Seit 2. Mai diesen Jahres steht nun fest: Die Brass Band Sachsen kann sich als Vizemeister mit nur einem Punkt Abstand zu den Meistern aus Italien in der Spitze einer internationalen Brass-Band-Auswahl behaupten.

Als nächstes Highlight stehen für das Orchester und seinen musikalischen Leiter, den Schotten Eoin Tonner, die 2. German-Open-BDMV an, die im Rahmen des 1. Landesmusikfestes Sachsen am kommenden Wochenende in Grimma stattfinden. Erstmalig werden die Musiker dort in der höchsten Kategorie antreten. Die Vorbereitung läuft dementsprechend konzentriert.

Am Wochenende in Grimma

Doch die Probleme werden mit zunehmendem Erfolg und Ehrgeiz nicht geringer. "Wir brauchen unbedingt weitere Unterstützer!", sagt Robert Hanspach. Jahr für Jahr steigt die finanzielle Eigenbeteiligung der Musiker, um den Erfordernissen einer ergiebigen Projektarbeit gerecht zu werden. Die bisherige Unterstützung für Probenlager, Auftritts- und Wettbewerbsfahrten der weit verstreut lebenden Ensemblemitglieder durch den Trägerverein ist eine große Hilfe, reicht aber für die gestiegenen Ziele des Ensembles nicht aus. Schon der Transport aller Schlagwerks komponenten sei eine Herausforderung, erklärt Robert Hanspach. Sachorientierte Unterstützung könnte hier Abhilfe schaffen. Und die Anschubhilfe einer auf Platz 157 von 200 in die europäische Rangliste eingestiegenen Ausnahmeband kann auch sportlichen Charakter entwickeln und Image-fördernd wirken. Nicht umsonst nennen Experten die aufstrebende Brass-Band-Bewegung die "Königsdisziplin der Blasmusik".

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