Stattdessen präsentierten die von Königs Wusterhausen bis Hoyerswerda angereisten Jugendlichen, was sie in Workshops zu den Grundlagen des Bühnenspiels gelernt hatten. Beim Schattentheater ging es zum Auftakt ästhetisch und feingeistig zu. In flüchtigen Bewegungen, Gesten und Posen deuteten die Eleven Sehnsüchte an: Einmal aus dem Alltag ausbrechen, einmal jemand anderes sein, eine Diva vielleicht. Die Lust am Ausbruch und das Spiel mit der Identität konnten im Folgenden laustark ausgelebt werden - vor allem in Form des Klamauks. Fechter lieferten sich Slapstick-Duelle, Improvisationskünstler kreischten als wollustschmerzgeplagte Schwule nach den sanften Händen des Doktors, Tänzer und Tänzerinnen schleuderten ihre Glieder zu wüsten Gitarren und brünstiger Black Music, Trommler trommelten sich in Hiphop-Ekstase, Gospelsängerinnen jaulten bewusst schräg, die Tonstudio-Gruppe zeigte ein Musikvideo, in dem sie ein Potpourri aus Sonne- und Regen-Songs und irren Frisuren zum Besten gab. Zwischendrin bevölkerten Außerirdische in grellen Warn-Westen die Szene. Das Publikum amüsierte sich blendend. Die Workshoppräsentationen würden von Jahr zu Jahr schriller, konstatierte Intendant Sewan Latchinian hinterher. Er gab zu, zunächst etwas Tiefsinn vermisst zu haben, räumte dann aber ein, dass eben jede Generation ihre eigene Ausdrucksweise habe. Für die Teilnehmer des Schülertheatertreffens hätten dieses Gemeinschaftserlebnis und der dabei gezeigte Mut, Grenzen zu überschreiten, nachhaltige Wirkung. Theresa Toll pries die Erfahrung "auch stark sein" und "Gefühle ausleben" zu können. Die Zwölftklässlerin aus Senftenberg hatte beim Fechten einen aufdringlichen Verehrer durchbohrt. Anne Warsönke vom Sängerstadt-Gymnasium Finsterwalde wiederum lernte die Tücken des pantomimischen Spiels kennen. Ihre Gruppe sollte einen Besuch im Fast-Food-Lokal darstellen, wobei jeder die Bewegungen seines Vorgängers imitierte. Dabei wurden aus den imaginären Schwingtüren des Burger-Restaurants schließlich Einkaufswagen. "Jeder interpretiert in die Gesten des anderen etwas anderes hinein", erläuterte die 17-Jährige. "Es kommt darauf an, die Bewegungen genau auszuspielen." Tim Josefski (20), der an der Neuen Bühne gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr macht und den Improvisationsworkshop geleitet hat, gab eine einfache Erklärung, warum die Schüler so gerne Schräges und Schrilles spielen: "Es macht eben am meisten Spaß."