"Luther dachte mit und durch den Körper", sagt Roper. Sie ist damit nicht nur die erste Frau, die eine umfassende Biografie des abtrünnigen Mönches vorlegt, sondern auch die erste, die eine Körpergeschichte Luthers schrieb. Die feministische Expertin für die Geschichte der frühen Neuzeit, Reformation und Hexenwahn zeichnet kein wirklich sympathisches Bild des Kirchenspalters, dessen Thesenanschlag zu Wittenberg 1517 sich im kommenden Jahr zum 500. Mal jährt. Der Mensch Martin Luther. S. Fischer-Verlag, 730 Seiten, 28 Euro

Vergessene Frauengestalt

Sie ebnete Max Ernst den Weg in die Kunstwelt und wurde zur Muse der Dada-Bewegung. Luise Straus-Ernst empfing in ihrer Kölner Wohnung Künstler wie Paul Klee und André Breton. Doch während der Maler Max Ernst später Weltruhm erlangte, kennt man seine erste Frau heute kaum noch. Es blieb der Biografin Eva Weissweiler vorbehalten, aus verstreutem Archivmaterial dieses ungewöhnliche Frauenleben zu rekonstruieren. Denn Luise Straus-Ernst war weit mehr als die Frau eines bekannten Malers. Sie war eine bedeutende Kunsthistorikerin und Journalistin der Weimarer Republik. Doch als Jüdin musste sie emigrieren. Mit einem der letzten Konvois wurde sie nach Auschwitz deportiert. Eva Weissweiler: Notre Dame de Dada. Kiepenheuer & Witsch, 456 Seiten, 24,99 Euro

Verführer ohne Überraschungen

Über Casanova scheint schon alles gesagt und geschrieben, sein Leben ist Legende, er selbst eine Art Gesamtkunstwerk. Was also kann eine neue Biografie über ihn bringen? Nicht viel, muss man nach Lektüre des Buches von Uwe Schultz sagen. Dazu handelt es zu konventionell die Lebens- und Liebesstationen des großen Verführers ab. Vor allem die Einordnung von Casanovas Liebessphilosophie in seine Zeit kommt zu kurz. Die sinnliche Welt des Rokoko, wird auf wenigen Seiten abgehandelt. Die Politik kommt nur am Rande vor, was auch der Quellenlage geschuldet sein mag. Uwe Schultz: Giacomo Casanova oder Die Kunst der Verführung, C.H. Beck, 320 Seiten, 16,95 Euro