Die wichtigste Botschaft ist nicht neu: Kein GlückAufFest an der Neuen Bühne Senftenberg. Das war schon nach den "Jedermännern" im Snowtropolis im vergangenen Jahr klar - zu sehr war das Ensemble von dieser großen künstlerischen wie logistischen Leistung erschöpft. Kein GlückAufFest also. Das wird gefeiert. Mit zehn Vorstellungen vom 29. September bis 28. Oktober. Voller Leidenschaft - natürlich, das sind die Zuschauer gewöhnt. Aber auch mit Geiz - das ist neu. Eben Kein GlückAufFest.

Um das Wirrwar zu beenden: Kein GlückAufFest ist der ganz sicher wieder stimmungsvolle Auftakt der Spielzeit. Eben mal anders als in den letzten acht Jahren, darauf verwies Intendant Sewan Latchinian.

Mit Theater wird dabei nicht gegeizt, auch wenn Molières "Der Geizige" auf seiner Kohle sitzt und nicht mal den eigenen schwer verliebten Kindern etwas abgibt. Eine Komödie allerbester Art, mit den dazugehörigen Irrungen und Wirrungen und einem Happyend am End. Was passt besser dazu als Lieder von der Liebe aus der Stadt der Liebe - "Parlez moi d'amour". Heiter, alltäglich, frivol, melancholisch, leidenschaftlich, erotisch erzählen sie die alten, ewig jungen Geschichten.

Thema Alzheimer

Am 11./12. Oktober hat Arno Geigers "Der alte König in seinem Exil" Premiere. Der österreichische Autor beschreibt darin das Leben mit seinem alzheimerkranken Vater, der in seiner eigenen Welt lebt und dennoch voller Witz und Vitalität steckt.

Auf ganz andere Weise geht es in Heinrich von Kleists "Prinz Friedrich von Homburg" (23. Februar) um das Recht und die Möglichkeit zur Selbstbestimmung. Friedrich von Homburg ist Offizier des Kurfürsten von Brandenburg und damit zum Gehorsam verpflichtet. Vom Traum um eine schöne Frau beflügelt, setzt er sich über den Befehl des Kurfürsten hinweg, in der Schlacht nicht anzugreifen. Er erringt einen grandiosen Sieg und wird wegen Befehlsverweigerung und Untreue zum Tode verurteilt. Kleist schrieb damit 1809/1810 ein bis heute hochaktuelles Stück, das die Verantwortung des Einzelnen und die Absage an Willkür thematisiert. Ein Beitrag der Senftenberger zum Friedrich-Jahr.

Um die Liebe in all ihren Facetten - zwischen Männern und Frauen, zwischen Frauen und Frauen, Müttern und Kindern und überhaupt - dreht sich Rainer Werner Fassbinders "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" (8./9. März). Nur Frauen haben in diesem Stück etwas zu sagen. Die Rollen seien ein "wahres Fressen für die sechs Schauspielerinnen", wirbt Gisela Kahl, Chefdramaturgin, für die erste Fassbinder-Aufführung in Senftenberg.

Man glaubt, es sei eine Binsenweisheit "Die Erde ist rund". Wenn Erich Kästner das aber behauptet und dann noch zu dem Schluss kommt "denn dazu ist sie da", wird daraus ein strapaziöser Abend - für die Lachmuskeln. Gaaaaanz weit öffnet die Neue Bühne am 16./17. November ihr Kuriositätenkabinett, in dem unter anderem die letzten lebenden Fossile vom Presseball oder ein synthetischer Mensch aus dem Forschungslabor des Dr. Frankenstein auf die Entfesselung warten.

Die Versuchung ist größer

Kurz zuvor, am 15. November, wird geklärt, was alles passieren kann, wenn die Versuchung größer ist, als die Wirkung mahnender Worte, nicht vom Wege abzuweichen. Da sieht die Großmutter dann auf einmal ganz komisch aus. Rotkäppchen ist ziemlich erstaunt. Das Märchen kommt in der Fassung von Jewgeni Schwarz auf die Bühne.

Den Tod als Freund

Für "Ente, Tod und Tulpe" stand das Bilderbuch von Wolf Erlbruch Pate. Die Ente hat eine folgenschwere Begegnung. Sie trifft den Tod. Auf die Frage, ob er sie holen wolle, antwortet der: Nein, das besorge schon das Leben. Tod und Ente freunden sich an, freuen sich des Lebens, lernen viel voneinander - bis schließlich doch alles auf das Unvermeidliche zusteuert. Eine sehr berührende Geschichte, die am 26. April Premiere feiert. Auch in der kommenden Spielzeit wird es die beliebte Kabarett-Reihe, diesmal mit Martin Buchholz, Claus von Wagner, Max Uthoff, Ellen Schaller und Franz Lüdecke geben. Die Gästeliste ist zwar noch nicht fertig, aber auf jeden Fall wird wieder gelesen. Dr. Jörg Vogel, Arzt und Kabarettist aus Cottbus, und Günter Wallraff sind im Gespräch.

Ja und dann ist schon die nächste Spielzeit in Sicht. Die clevere Nummer mit "Kein GlückAufFest" - allen Mitarbeitern der Neuen Bühne sei die Ruhepause herzlich gegönnt - klappt dann nicht mehr. Und wie weiter Herr Intendant? Mit dem 9. GlückAufFest. In einem veränderten Ambiente. An der Neuen Bühne wird gebaut - seit Jahren - nun auch außen rum. Aber darüber später.