"Nach dem Höhepunkt im Dezember 2008 mit allein 1040 verkauften Exemplaren, ist der Boom vorbei", sagt der Geschäftsführer des Berliner Karl-Dietz-Verlages. Im Januar waren es noch 390 Exemplare, im Februar und März zusammen genommen 169 Exemplare. Vor allem im Westen sei die "Kritik der politischen Ökonomie", so der Untertitel des Wälzers mit fast tausend Seiten im charakteristischen blauen Einband, in der schlimmsten Finanzkrise seit den 1920er-Jahren sehr begehrt. In Universitätsstädten sei das Interesse an Marx' Mehrwerttheorie, dem tendenziellen Fall der Profitrate und dem Fetischcharakter der Ware aber noch ungebrochen. "Es gibt "Kapital"-Kurse an 31 Uni-Standorten in Deutschland", berichtet Schütrumpf. Mit dem Medienecho auf den Bucherfolg wurde der einstige DDR-Ableger des sozialdemokratischen Dietz Verlags auch international bekannt. "Von CNN über BBC bis ,New York Times' - sie haben alle über uns berichtet." Allerdings fühlt sich Schütrumpf nicht als Krisengewinner. "Profiteure sehen anders aus", sagt der Verleger. Die Marx-Wiederkehr verschaffte dem Verlag ein Umsatzplus von 109 000 Euro (2007) auf 149 000 Euro im Jahr 2008. Schütrumpf freut sich zwar über die rege Nachfrage nach Marx (1818-1883). Doch dem Verlagsmann Schütrumpf liegt eine andere Autorin am Herzen: Rosa Luxemburg (1871-1919). Die Mitbegründerin der Kommunistischen Partei Deutschlands, eine scharfe Kritikerin des sowjetischen Revolutionsführers Lenin, sei nach wie vor aktuell - und werde immer wieder missverstanden. Der Absatz von Luxemburg-Titel sei sehr schleppend. dpa/pb