Ohne Lea Rosh hätte es das Holocaust-Denkmal in Berlin nie gegeben. Siebzehn Jahre lang kämpfte die streitbare Fernsehjournalistin mit aller Kraft für eine würdige Erinnerung an die sechs Millionen Juden, die von den Nazis ermordet wurden. Ihr leidenschaftliches, bisweilen besessen anmutendes Engagement trug ihr Spottnamen wie „Holocaust-Kassandra“ oder „Gedenkdomina“ ein.

Zu ihrem 75. Geburtstag am heutigen Samstag kann Rosh zufrieden zurückblicken: Mit fast zwölf Millionen Besuchern in sechs Jahren gilt das Stelenfeld neben dem Reichstag heute als einer der wichtigsten Besichtigungsorte der Stadt – und weltweit als ein Symbol für die Bereitschaft der Deutschen, sich dem dunkelsten Kapitel ihrer Geschichte zu stellen. „Ich glaube, uns ist etwas Gutes gelungen“, sagt Rosh. „Das wird bleiben – wie der Kniefall von Willy Brandt in Warschau.“

Als die TV-Journalistin mit SPD-Parteibuch 1988 die Initiative für das Mahnmal gründete, ahnte sie noch nicht, was für ein Mammutprojekt sie ins Rollen brachte. „Für mich war das selbstverständlich: Wir haben sechs Millionen Juden und Jüdinnen umgebracht – da müssen wir denen ein Denkmal bauen“, sagt sie. „Das war für mich klar wie Kloßbrühe.“ Die Idee stammte von dem Stuttgarter Historiker Eberhard Jäckel, mit dem Rosh eine vierteilige TV-Dokumentation zum Holocaust gedreht hatte – „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“.

1995 lehnt der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl einen bereits gekürten Wettbewerbsentwurf ab. 1999 beschließt der Bundestag mit großer Mehrheit die Realisierung eines Vorschlags des US-Künstlers Richard Serra und seines Architekturkollegen Peter Eisenman. Doch auch danach kommt es immer wieder zu Streit. „Wieso schon wieder für die Juden eine Extrawurst?“, wollen laut Rosh viele wissen. „Bei der Vernichtung hatten sie ja auch eine Extrawurst“, antwortet sie.

Immer wieder gerät auch die Initiatorin selbst in die Schusslinie. So muss sie 2001 ein Plakat unweit des Brandenburger Tors wieder abnehmen, das Aufmerksamkeit erregen sollte mit der Schockbotschaft: „Den Holocaust hat es nie gegeben.“ Nur klein stand darunter: „Es gibt immer noch viele, die das behaupten.“ Noch bei der Einweihung des Denkmals 2005 sorgt sie für Aufsehen, als sie den Backenzahn eines unbekannten jüdischen Holocaust-Opfers in einer der Stelen versenken will.

Ihr Interesse an dem Thema sei schon während ihres Geschichtsstudiums entstanden, sagt die gebürtige Berlinerin. Ihr Großvater mütterlicherseits war Jude, viele Verwandte wurden in der NS-Zeit verfolgt, ihr Vater fiel im Krieg. Dennoch machte sie zunächst als Journalistin auch mit anderen Themen Karriere: Nach Stationen beim Rias Berlin, dem Sender Freies Berlin (SFB) und dem NDR moderierte sie als erste Frau das ZDF-Politmagazin „Kennzeichen D“.

Ihr Mann, der 2008 gestorbene Architekt Jakob Schulze-Rohr, habe ihr für alle Entscheidungen den Rücken freigehalten, sagt Rosh, die bewusst kinderlos blieb.