ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:53 Uhr

Aquamediale
Kahngenuss plus Kunsterlebnis

 Per Kahn sind die im Straupitzer Schlosspark installierten Aquamediale-Kunstobjekte auf besonders entspannende Weise zu entdecken. „Warten auf Regen“ heißt das Projekt von Joo Young Kim aus Südkorea, das sich auf einer Insel befindet.
Per Kahn sind die im Straupitzer Schlosspark installierten Aquamediale-Kunstobjekte auf besonders entspannende Weise zu entdecken. „Warten auf Regen“ heißt das Projekt von Joo Young Kim aus Südkorea, das sich auf einer Insel befindet. FOTO: Ingrid Hoberg
Straupitz. Die Straupitzer Seenlandschaft lädt zur Begegnung mit dem Kunstfestival Aquamediale 13 ein.

„Und dass dem Netze dieser Spreekanäle nichts von dem Zauber von Venedig fehle, durchfurcht das endlos wirre Flußrevier in seinem Boot der Spreewalds-Gondolier“, diese Worte von Theodor Fontane werden immer wieder gern im Spreewald zitiert. Im Jahr des 200. Geburtstags des Autors der „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ umso mehr.

Ein Brückenschlag von den Menschen- und Landschaftsbeobachtungen Fontanes im 19. Jahrhundert zur Auseinandersetzung mit den globalen und individuellen Fragen der Gegenwart gelingt den zehn Künstlern, die an der 13. Auflage des Kunstfestivals Aquamediale mitgearbeitet haben. Unter dem Motto „Spreeland trifft …“ haben sie sich mit Heimat und Fremde  auseinandergesetzt. Nun sind in diesem Sommer ihre Arbeitsergebnisse in der Straupitzer Schloss- und Seenlandschaft erlebbar – am und im Wasser.

Entdecken lassen sich die Objekte per Kahn und auch zu Fuß. Das sinnliche Erleben spielt in diesem Jahr eine besondere Rolle. Der Straupitzer Schlosspark mit seinen Gewässern gehört durchaus zu den Zielen in der Region, die noch nicht jedermann bekannt sind.  Auf einem Flyer, der in Tourist-Informationen wie auch im Straupitzer Kornspeicher und am Hafen ausliegt, gibt es einen Überblick über die zehn Projekte, die von Künstlerinnen und Künstlern aus Deutschland, Thailand, Südkorea, Kolumbien und China gestaltet wurden.

Die Kahnfahrt wie auch der Rundgang starten im Fährhafen. Dort trifft der Besucher auf „Die (heilige) Spreewaldgurke“ von Natthapong Samakkaew. Unter seinem Künstlernamen BACK ist der in Berlin lebende Thailänder national wie international bereits bekannt. Die Gurke sei ihm immer wieder bei der Beschäftigung mit dem Spreeland begegnet – ob als grünes Gemüse oder als Konserve – und so für ihn zum Zeichen der Region geworden, wie er erklärt. In dieser Bedeutung zieht er Parallelen zu Buddha und verbindet alte und neue Heimat. An seiner überdimensionalen grünen Gurke ist Hand­anlegen durchaus erwünscht. Besucher können gemeinsam mit ihm die Plastik vergolden. So wird sie vom realen Abbild zum abstrakten Zeichen, im gemeinsamen Schaffensprozess.

Auf dem Wasser- wie dem Landweg geht es weiter zur Installation von Franz Zauleck. „Ein weites Feld oder Fontanes Grenzen“ ist der Titel seiner Arbeit auf der Wiese zwischen Hafenbecken und Schloss. „Der Wanderer wird zwischen Fontanes philosophischen Aphorismen und den Nationen zum Grenzgänger“, sagt der Künstler über sein Projekt. Und mancher Spruch dürfte die wandelnden Besucher überraschen.

Mit dem Wechselspiel der Sinne, mit Bekanntem und Unbekanntem setzt sich Prof. Yang Liu aus China in ihren beiden Installationen auseinander. „Wie wird Unbekanntes wahrgenommen – als interessant, überraschend, bereichernd oder beängstigend?“, fragt sie und bringt knallrote Abbilder von exotischen Tieren wie dem Chamäleon oder dem Faultier in den Spreewald. Ob die Natur sie bald integriert und mit Grün überwuchert? Fremde Töne erklingen in ihrem zweiten Projekt „Tunken In“ mit Original-Aufnahmen von einem chinesischen Markt. Die Geräusche des Spreewalds vermischen sich mit dem Unbekannten, genaues Hinhören ist an dieser Station gefragt.

Die innere Betrachtung hat Stefhany Yepes Lozano aus Kolumbien zu ihrem Thema gemacht. Die Füße ruhen, die Augen haben Zeit zu wandern im Grün, auf der spiegelnden Wasseroberfläche. „Contemplation“, Betrachtung/Nachdenken, nennt sie ihre Installation aus Keramikfliesen. Wanderer sind eingeladen, Platz zu nehmen und die Seele baumeln zu lassen.

Nadine Prange hat ein übermenschliches Wesen mitten in die Straupitzer Seenlandschaft geholt. „Fontane und die schöne Melusine“ heißt ihr Projekt, das allen, die ihr bei der Installation geholfen haben, einiges abverlangte. Der morastige Untergrund und die bewegliche Konstruktion waren eine Herausforderung – eine Wasserfee lässt sich eben nicht so einfach bändigen. Auch hier ist Verweilen angesagt.

Die Wasserwanderungen I und II sind von zwei Künstlerinnen entworfen worden und korrespondieren, auch wenn die räumliche Konstellation nicht mehr so eng wie geplant ist. „Heimat to go“ nennt Jana Dörfelt aus Freiberg in Sachsen ihren regenbogenfarbenen Trichter,  in dem sie Regenwasser sammelt. „Jeder einzelne Tropfen birgt etwas von weither“, sagt sie. In kleine Fläschchen abgefüllt, können Besucher diese Erinnerung mitnehmen. Die Fläschchen gibt es im Kornspeicher. Der Trichter steht jetzt am Hafen und sollte ursprünglich in der Nähe zur Wasserwanderung II von Katalin Pöge aus Brandenburg stehen. Der Trichter wurde kurzfristig an den neuen Platz gebracht und ist nun für Besucher besser erreichbar.

„Der Straupitzer Bürgermeister hat dabei unkompliziert und kurzfristig Unterstützung gegeben“, sagt Kurator Harald Larisch. „Heimat Infusion – Inklusion“ heißt das Wasseraustauschprojekt von Katalin Pöge. Sie hatte im Internet einen Aufruf gestartet, und einige Menschen haben Wasser ihrer Heimat abgefüllt und in den Spreewald geschickt. Tröpfchenweise gelangt die Infusion nun in die Spree.

Ob Joo Young Kim gewusst hat, wie trocken es diesen Sommer wieder wird? „Warten auf den Regen“ hat die Südkoreanerin ihre Installation genannt. Die von ihr gedrehten Keramikgefäße sind mit Dingen aus ihrer Heimat bemalt und auf dem Rand der Insel mitten im Schlosspark Straupitz aufgestellt.

Unbekannte Sprüche von Fontane hat Johanna Benz aus Leipzig aufgespürt und als Bilderbogen auf einer Säule mitten im Wald ausgestellt. Sie bringt die drei Zeitgenossen Fontane, Litfaß und Gustav Kühn, den Herausgeber der Neuruppiner Bilderbogen, zu einem Treffen im Wald zusammen und nennt das Ganze „Tantum“. Ein Kleinigkeit zum Nachdenken. „Oh du heiliger Spreewaldgeist“ hat Christina Röckl aus dem Vogtland ihren Geisterkahn betitelt, an dem sie in diesen Tagen noch arbeitet. Der alte Kahn wird am Wochenende zu Wasser gelassen werden, Überraschungen und Wunder sind zu erwarten.

„Die Straupitzer Seenlandschaft ist mit dem Spreewald verbunden – auch wenn die Gewässer nicht mehr schiffbar sind“, sagt Kahnfährmann Norman Muschka. Wie auch in der Kunst ist alles mit allem verbunden. Die Fährleute können beim Kunst-Kahn-Staken viel Interessantes über die Region und über die Arbeiten der Künstler erzählen.

 Per Kahn sind die im Straupitzer Schlosspark installierten Aquamediale-Kunstobjekte auf besonders entspannende Weise zu entdecken. „Warten auf Regen“ heißt das Projekt von Joo Young Kim aus Südkorea, das sich auf einer Insel befindet.
Per Kahn sind die im Straupitzer Schlosspark installierten Aquamediale-Kunstobjekte auf besonders entspannende Weise zu entdecken. „Warten auf Regen“ heißt das Projekt von Joo Young Kim aus Südkorea, das sich auf einer Insel befindet. FOTO: Ingrid Hoberg