Hier ist auch das Talent von TV-Entertainern wie Harald Schmidt oder Hugo Egon Balder entdeckt worden. Das Theater mit dem doppeldeutigen Namen feiert in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen. Vor 60 Jahren am 29. März gegründet, zog es vor 40 Jahren am 27. April in die Räume unter dem Dach der Düsseldorfer Kunsthalle. Zur Zeit geht es dem Haus, das ohne öffentliche Mittel auskommen muss, so gut wie lange nicht. Das Motto im Jubiläumsjahr lautet: "Seit 60 Jahren explosiv".
Bis auf eine Phase rund um den 50. Geburtstag hatte das Theater immer ein eigenes Ensemble, das den Großteil der Abende bestritt. Engagiert wurden aber keine etablierten Künstler - es wurden Talente entdeckt und Stars gemacht. Ehemalige Mitglieder des Ensembles sind etwa Anka Zink, Angelika Milster, Michael Quast, Thomas Freitag, Volker Pispers oder Jochen Busse.
Zurzeit sind im Ensemble die Schauspieler Maike Kühl und Heiko Seidel sowie der Kabarettist und Autor Christian Ehring. Ihre aktuelle Kabarett-Komödie über ein Möbelstück füllt derzeit gut den Saal. "Couch. Ein Heimatabend" handelt mit drei Darstellern und sieben Rollen von einer chaotischen Hausgemeinschaft. Es sei so erfolgreich wie zuletzt "Die letzten Tage von Erkrath" (1998), sagt Theaterleiter Kay Sebastian Lorentz, der Sohn des legendären Gründer-Ehepaares.
Die Gründer Kay und Lore Lorentz hoben 1947 ihre kleine Bühne zunächst im Hinterzimmer einer Kneipe aus der Taufe. Das erste Programm in den Trümmern der Altstadt hieß "Positiv dagegen". Die aus Mähren stammende Lore Lorentz ließ nicht nur ihr markantes "R" rollen - im Theater rollten - natürlich verbal - auch die Köpfe von konservativen Politikern wie Adenauer oder Strauß. Das Theater, dessen "Gründungseltern" mit dem Sozialdemokraten Willy Brandt sympathisierten, stieg zu einem der wichtigsten "Brettl" im deutschsprachigen Raum auf. Am 27. April 1967 begann die Vorstellung zunächst am alten Platz, vor der Pause wurden die werten Gäste dann gebeten, ihre Stühle nach nebenan in das neue Theater zu tragen.
In der ersten Hälfte der 90er- Jahre starben die beiden "Kom(m)ödchen"-Gründer. Sohn Kay Sebastian, der - wie er freimütig zugibt - zu seinen Eltern nicht immer ein spannungsfreies Verhältnis gehabt hatte, übernahm das Haus. Er führte es zunächst fast in den Ruin, ist aber nun weit davon entfernt, wie er sagt. "Die Zeit des Nummernkabaretts mit erhobenem Zeigefinger ist definitiv vorbei. Die Leute wollen nicht mehr den Kabarettisten auf der Bühne, der zwei Stunden lang Recht hat", sagt der Theater-Leiter.
Gastspiele etablierter Künstler sind zum zweiten Standbein des Hauses geworden. Da das Theater neben der Unterhaltung auch Niveau garantieren wolle, passe nicht jeder Comedian ins Programm, sagt Lorentz. TV-Entertainer Harald Schmidt fühlt sich dem Haus, das ihn in den 80er-Jahren entdeckte, nach wie vor derart verbunden, dass er dort monatlich für eine ganz normale Gage auftritt. Er sitzt auch im Kuratorium der "Kom(m)ödchen"-Stiftung.
Von den rund 200 Plätzen müssen nach Lorentz' Angaben bei jeder Vorstellung mindestens 160 besetzt sein, um über die Runden zu kommen. "Ich leiste mir aber auch Juwelen: Künstler, die ich in meinem Haus haben will, aber die es nicht füllen, weil sie den Durchbruch noch nicht geschafft haben."
Mit dem aktuellen Stück "Couch. Ein Heimatabend" will das Ensemble in diesem Jahr unter anderem noch in Frankfurt am Main, Dresden, Köln, Mainz, Bonn, Hannover, Leipzig und München auftreten. Nach längerer Abstinenz im Haus hatte der WDR es Ende Februar in gekürzter TV-Fassung gesendet.