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| 01:31 Uhr

John-Williams-Spektakel des Philharmonischen Orchesters Cottbus

Cottbus. Ob es der winzige Knabe Tim und sein noch winzigerer Hund Struppi sind oder das ganze Weltall – John Williams fällt zu allem die passende Musik ein. Einen spektakulären Ausschnitt aus dem Schaffen des preisüberschütteten Komponisten konnte man im Großen Haus des Staatstheaters genießen. Das Philharmonische Orchester spielte unter Evan Christ. Von Irene Constantin

Die Kinder in der ersten Reihe zuckten förmlich zusammen. Dass ein Orchester, ganz und gar “unplugged„, so laut sein kann, hätten sie wohl nicht erwartet. Aber schließlich begann das Konzert ja auch mit der Titelmusik aus “Star Wars„. Die mächtige, triumphale Fanfare mit dem hoch hinaufspringenden Trompetenmotiv soll die Kämpfer ermuntern und vor allem keine Zweifel daran lassen, wer in der gewaltigen Saga vom Kampf des Guten über das Böse am Ende gewinnt. John Williams gewann mit seiner “Star-Wars-Musik„ ganz sicher. 1977 nahm er den dritten seiner fünf Oscars für diese Filmmusik entgegen.

“Star-Wars„-Regisseur George Lucas ist einer der beiden großen Regisseure, mit denen John Williams hauptsächlich zusammengearbeitet hat. Der andere ist Steven Spielberg. Mit einem seiner berühmtesten, wenn auch nicht besten Filme, “Der weiße Hai„, ging es weiter. Die Musik dazu ist allerdings eine Sensation und ihren Oscar wert. Ein unheimliches, drohendes Bassmotiv, unterbrochen von knochentrockenen Schlägen der großen Trommel leitet ein stetiges, immer gewaltigeres Orchestercrescendo ein. Unmöglich, sich diesem Sog zu entziehen.

Unirdische Töne der Celesta

Und dann kamen die Stücke, die die meisten Konzertgänger wohl vor allem hören wollten, Musiken aus den ersten beiden “Harry-Potter„-Filmen. Zuerst das zauberische Thema der Schnee-Eule Hedwig, welches, wie Evan Christ in seiner Moderation meinte, das eigentliche Hauptthema zumindest von “Harry Potter und der Stein der Weisen„ ist. Die unhörbaren Flügelschläge einer nachts ausfliegenden Eule werden durch die seltsam unirdischen Töne der Celesta geheimnisvoll symbolisiert. Frank Bernard spielte das seltene Tasteninstrument ganz vorzüglich. Es folgte die Musik des Quidditchbesens “Nimbus 2000„, die des Phoenix Fawkes aus “Harry Potter und die Kammer des Schreckens„ sowie die Schlafmusik für Fluffy, den dreiköpfigen Hund.

Während sich all die großen Jubel- und Triumphmusiken von John Williams, ob für “Star Wars„, die Olympischen Spiele 1984 oder die Wiedereinweihung der renovierten New Yorker Freiheitsstatue 1986 ein wenig ähneln - es sind strahlende, mächtige und üppig instrumentierte Stücke mit dominierenden Trompeten - sind die kleinen Charakterstücke unverwechselbare musikalische Pretiosen. Wo hört man schon ein so erlesenes Duett für Kontrafagott und Harfe wie die für Fluffy„? Wo wirkt ein Cembalo so einzigartig wie für die Charakterisierung des nervigen Zauberlehrers Gilderoy Lockhart? Wo schwebt eine Eule schöner durch die Nacht?

Zum Schluss des Programms kam dann doch noch einmal der großmächtige opulente Sound auf das Publikum hernieder: das “Flying Theme„ aus Steven Spielbergs “E.T.„. Unvergessliche Erinnerungen an einen Sommerabend vor der riesigen Leinwand eines Mecklenburger Autokinos wurden wach. Ein Raumschiff startete in einen hollywoodmäßig unendlichen Sternenhimmel hinein. E. T. hob ab um endlich nach Hause zu fliegen.

Jubelndes Publikum

Das Publikum in Cottbus indessen jubelte seinem Sinfonieorchester und dem unübersehbar von dieser Musik begeisterten Evan Christ am Pult zu. Bewunderungswürdig die Kondition der Trompeter, höchst erfreulich die Präzision und Lust an der Sache, mit der auch einmal fern des üblichen ernsthaften Repertoires musiziert wurde.